Wertpapierkredite: Die Chancen und Risiken

ARTIKEL 27.10.2020

„Investment-Gewinne ohne weiteren Einsatz vervielfachen“ – das Versprechen hinter Wertpapierkrediten klingt zu schön, um wahr zu sein. Aber gehen attraktive Gewinnchancen nicht auch immer mit Risiken einher? Wir fassen die wichtigsten Eigenschaften von Wertpapierkrediten zusammen.


Was ist ein Wertpapierkredit?

Ein „Wertpapierkredit“ ist ein Kredit, der für die Verpfändung von Aktien und anderen Wertpapieren in einem Depot gewährt wird. Im Bankwesen werden Wertpapierkredite auch als „Lombardkredite“ oder „Effektenlombardkredite“ bezeichnet.


In der Regel sind Wertpapierkredite für flexible und für kurzfristige Einsätze gedacht. Es gibt keine obligatorischen Tilgungsraten, eine Tilgung ist aber jederzeit in beliebiger Höhe möglich. Verpflichtend sind nur die Zinsraten, die regelmäßig (in der Regel vierteljährlich) anfallen. Die Zinssätze sind dabei meist flexibel veränderbar.


Am ehesten ist ein Wertpapierkredit also mit einem Dispositionskredit vergleichbar. Er ist jedoch tendenziell zinsgünstiger, weil das eigene Depot als Sicherheit für die Bank dient.


Dabei zählt nicht der volle Wert eines Portfolios, sondern immer nur ein bestimmter Prozentsatz (Beleihungswert). Dieser wird anhand der Wertpapiere im Portfolio berechnet. Je nach Wertpapierart fällt der Beleihungswert auf Kurswerte oder Rückgabepreise unterschiedlich aus. Bei spekulativeren Papieren liegt er niedriger, bei eher risikoarmen Papieren höher.


Ein weiterer Faktor ist beispielsweise die Nationalität – inländische Werte können oft höher beliehen werden als ausländische Werte.


Beispielhafte Beleihungswerte bei großen Anbietern (vereinfacht; Stand 10/2020)

Institut Consorsbank Comdirekt Maxblue
Beleihungswert Fonds: Bis zu 80 % Bis zu 80 % Bis zu 90 %
Beleihungswert Anleihen: Bis zu 80 % Bis zu 80 % Bis zu 90 %
Beleihungswert Aktien: Bis zu 70 % Bis zu 70 % Bis zu 60 %
Beleihungswert Zertifikate: Bis zu 60% Werden nicht beliehen Bis zu 90 %
Beleihungswert physisches Gold Bis zu 40 % Wird nicht beliehen Wird nicht beliehen
Andere Asset-Klassen (wie z.B. Optionsscheine): Werden nicht beliehen Werden nicht beliehen Werden nicht beliehen


In der Vergangenheit war eine Zweckbindung von Wertpapierkrediten für den Kauf weiterer Wertpapiere üblich. Heute ist die freie Verfügbarkeit von Wertpapierkrediten Marktstandard, auch wenn sich das noch nicht bei allen Anbietern durchgesetzt hat.


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Wer bietet Wertpapierkredite an?

Wertpapierkredite werden vor allem von Direktbanken und Online-Brokern vergeben.


Diese bieten Wertpapiere als Service für hauseigene Depots, um im Bedarfsfall direkten Zugriff auf die als Sicherheiten eingesetzten Wertpapiere zu haben. Anleger/innen müssen also gegebenenfalls ihr Depot übertragen, wenn sie einen Wertpapierkredit von einem bestimmten Anbieter in Anspruch nehmen möchten.


Wie funktioniert die Inanspruchnahme eines Wertpapierkredits?

Die Inanspruchnahme eines Wertpapierkredits funktioniert in wenigen Schritten:


  1. Ein Kunde / eine Kundin stellt einen Antrag bei der Bank.
  2. Die Bank prüft die Wertpapiere im Depot und stellt anhand der Beleihungswerte einen Kreditrahmen zur Verfügung. Dieser kann nach Belieben ausgeschöpft und wieder getilgt werden.
  3. Es fallen Zinsen auf den in Anspruch genommenen Betrag an, die in der Regel vierteljährlich bezahlt werden müssen.


Wofür werden Wertpapierkredite genutzt?

Wertpapiere sind eine Möglichkeit, in einem dringenden Fall kurzfristige Liquidität zu schaffen – ähnliche wie bei der Verpfändung von Sachwerten. In diesem Fall gibt es jedoch auch andere Möglichkeiten wie Raten – oder Rahmenkredite, die eventuell zinsgünstiger sein werden.


Klassischerweise werden Wertpapierkredite eingesetzt, um das eigene Depot zu „leveragen“ – also den Hebeleffekt von Krediten bei der Geldanlage einzusetzen. Potenzielle Gewinne werden dadurch vervielfacht, Verluste aber auch.


Welche Konditionen haben Wertpapierkredite?

Die Zinssätze für Wertpapierkredite beginnen in der Regel bei rund 4,0 % p.a. (Stand: 10/2020).


Welche Chancen bietet ein Wertpapierkredit?

Die Hauptvorteile von Wertpapierkrediten sind ihre Flexibilität, Einfachheit und schnelle Verfügbarkeit. So ist beispielsweise meist keine Schufa-Auskunft für einen Wertpapierkredit-Antrag nötig.


Wenn sie für Reinvestitionen eingesetzt werden, ermöglichen sie zusätzliche Gewinne ohne eigenen Kapitaleinsatz. Wenn die Wertpapiere im Depot sich gut entwickeln, tritt darüber hinaus ein „Selbsttilgungseffekt“ auf. Dadurch lassen sich hohe Renditen erzielen, was jedoch mit entsprechenden Risiken verbunden ist. „Gehebelte“ Depots sind generell hochspekulative Investments.


Welche Risiken hat ein Wertpapierkredit?

Durch die fehlende Zinsbindung sind Zinserhöhungen möglich, die die Kosten eines Wertpapierkredites deutlich steigern können.


Besonders riskant sind Wertpapierkredite, wenn sich das eigene Portfolio nicht so entwickelt wie geplant. Kommt es zu Kursrückgängen, sinkt der Wert der als Sicherheit hinterlegten Wertpapiere und damit der Kreditrahmen.


Unterschreitet dieser die in Anspruch genommene Kreditsumme, fordern Banken eine Kompensation. In der Regel fallen zunächst hohen Überziehungszinsen an. Anleger/innen werden aufgefordert, ihre Kreditsumme innerhalb der „Rückführungsfrist“ wieder an den erlaubten Rahmen anzugleichen („Margin Call“). Die Rückführungsfrist ist im Darlehensvertrag geregelt und kann je nach Anbieter zwischen einigen Tagen und wenigen Monaten liegen.


Für den Ausgleich haben sie mehrere Möglichkeiten:

  • Sie können Wertpapiere verkaufen und damit Teile des Kredits tilgen.
  • Sie können weitere Wertpapiere als Besicherungen einbringen, um den Kreditrahmen zu erhöhen.
  • Sie können Bargeld einbringen, um Teile ihres Kredits zu tilgen oder weitere Wertpapiere zu kaufen.


Des Weiteren ist es möglich, dass Banken in einer volatilen Marktphase den Basis-Zinssatz des Wertpapierkredits erhöhen oder die Beleihungsquoten für bestimmte Wertpapiere reduzieren.


Im schlimmen Falle müssen Anleger/innen also innerhalb kurzer Zeit sehr hohe Nachzahlungen leisten, was den Wertpapierkredit zu einer „Schuldenfalle“ machen kann.


Zusammenfassung

Wenn das eigene Depot Verluste hinnehmen muss, sinkt der zulässige Kreditrahmen eines Wertpapierkredites. Unterschreitet er die in Anspruch genommene Kreditsumme, werden schnell teure Kompensationszahlungen notwendig. Dadurch sind Wertpapierkredite sehr riskant – insbesondere dann, wenn der Kreditrahmen voll ausgeschöpft wird.


Rechenbeispiel: Hebeleffekt

Die „Hebelwirkung“ eines Wertpapierkredits lässt sich mit zwei (stark vereinfachten) Rechenbeispielen deutlich machen. Person A. besitzt ein Portfolio, das aus Aktien der Firma B. mit einem Gesamtwert von 50.000 € besteht.


Die Beleihungsquote für diese Art von Aktien beträgt 60 %, sodass der Kreditrahmen für das Portfolio 30.000 € beträgt.


Wert des Port­folios 50.000 €
Beleihungs­quote für das Port­folio 60 %
Kreditrahmen (Beleihungsquote*Wert) 30.000 €
Zinssatz (p.a.) 4,5 %


A. ist fest davon überzeugt, dass der Firma. B. im nächsten Monat ein starker Kursaufschwung bevorsteht. Sie entscheidet sich, für diesen Zeitraum den kompletten Kreditrahmen (30.000 €) auszuschöpfen und damit weitere Aktien von B. zu kaufen.


Szenario 1: Die Aktien steigen um 10 %

A. hatte Recht – die Aktien der Firma B steigen um 10 %.


Am Ende des Monats verkauft A. die per Wertpapierkredit gekauften Aktien wieder, begleicht die Zinsen und zahlt die Kreditsumme (30.000 €) zurück. Sie hat insgesamt 7.887,50 € Gewinn gemacht.


Zum Vergleich: Hätte sie keinen Kredit genutzt, wäre ihr Portfolio nur 5.000 € gestiegen.


Anfangswert des gehebelten Portfolios 80.000 €
Endwert des gehebelten Portfolios (+ 10 %) 88.000 €/td>
Zinsen (für einen Monat) 112,50 €
Portfoliowert nach Zinsen und Rückzahlung des Kredites 57887,50 €
Gewinn 7887,50 €


Szenario 2: Die Aktien fallen um 10 %

A. hat sich verspekuliert. Die Aktien der Firma sind nicht gestiegen, sondern um 10 % gefallen. Trotzdem muss A. den vollen Kredit (30.000 €) sowie die Zinsen begleichen.


Am Ende hat sie 8.112,50 € Verlust gemacht. Ohne den Kredit wäre ihr Portfolio nur um 5.000 € gefallen.


Anfangswert des gehebelten Portfolios 80.000 €
Endwert des gehebelten Portfolios (- 10 %) 72.000 €
Zinsen (für einen Monat) 112,50 €
Zinsen (für einen Monat) 112,50 €
Portfoliowert nach Zinsen und Rückzahlung des Kredites 41887,50 €
Verlust 8112,50 €



Achtung – hierbei handelt es sich um den reinen „Hebeleffekt“ ohne mögliche Kompensationen, die eine Bank für die Überschreitung des Beleihungswertes fordern kann. Diese können zu weiteren empfindlichen Verlusten führen.


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