Branchen- und Themen-ETFs: Eine sinnvolle Investitionschance?

ARTIKEL 26.05.2021

„Thematisches Investieren“ mit ETFs gehört zu den Trend-Themen des Geldanlagemarktes. Woher kommt das große Interesse und wie sinnvoll sind Branchen- und Themen-ETFs wirklich?


Was sind Branchen-ETFs?

Branchen-ETFs und Themen-ETFs sind börsengehandelte Investmentfonds, die in der Regel einen Fokus auf Aktien-Investments haben. Sie gehören zu den „Branchenfonds“, ausschließlich in Unternehmen einer bestimmten Branche investieren, wie beispielsweise:


  • Telekommunikation
  • Maschinenbau
  • Gesundheitswesen


Klassische Branchenfonds gibt es bereits seit Jahrzehnten. Sie werden häufig auf den Markt gebracht, wenn eine bestimmte Branche gerade besonders stark wächst. Beispiele dafür sind die Solar- und Informationstechnologiefonds um die Jahrtausendwende.


Bei „Branchen-ETFs“ handelt es sich um eine neue Generation der Branchenfonds, welche die hohe Nachfrage nach kostengünstigen Indexfonds (ETFs) aufgreift.


Sie investieren mit Branchen / Sektorbezug und sollen dabei so weit wie möglich auf aktives Management verzichten, um Verwaltungskosten zu sparen. In der Regel tun sie das, indem sie ihr Wertpapier-Portfolio an einem Index ausrichten.


Was sind Themen-ETFs?

„Themen-ETFs“ sind eine Spezialform von Branchen-ETFs, die in den letzten Jahren stark an Beliebtheit gewonnen hat.


Sie investieren in Firmen, deren Geschäftsmodell stark auf ein bestimmtes Trend-Thema wie beispielsweise „Digitalisierung“, „Nachhaltige Lebensmittel“ oder „Cybersecurity“ ausgerichtet ist. Diese können aus unterschiedlichen Branchen stammen; beispielsweise könnte ein ETF zum Thema „Elektromobilität“ beispielsweise die Aktien von Batterieherstellern, Fahrzeugbauern, Carsharing-Anbietern und Software-Unternehmen enthalten.


Die Vorreiter bei Trend-Themen sind meist kleine oder mittlere Unternehmen , die in den gängigen Markt-Indizes kaum repräsentiert sind. Anleger*innen sollen so die Chance erhalten, auf Firmen mit hohem Wachstumspotenzial, statt auf Firmen mit möglichst großer Marktkapitalisierung zu setzen.



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Wie werden Branchen-ETFs zusammengestellt?

Um zu bestimmen, welche Wertpapiere zu einer Branche / einem Sektor gehören, wird meist eines von zwei gängigen Klassifikationschemata verwendet:


Name „Industry Classification Benchmark“ (ICB): „Global Industry Classification Scheme“ (GICS)
Anzahl der enthaltenen Wertpapiere 75.000 Wertpapiere 51.000 Wertpapiere
Unterteilung in 10 Industrien,
19 Supersektoren,
41 Sektoren,
114 Teilsektoren
11 Sektoren,
24 Industriegruppen,
68 Industrien,
157 Teilindustrien


Eine Möglichkeit, anhand dieser Schemata einen ETF zu strukturieren besteht in einem passiven Management nach festgelegten Regeln, wie beispielsweise: „Der Fonds investiert in Aktien der 20 größten Unternehmen der Branche „Energiewirtschaft“ (gemessen an der Marktkapitalisierung)“.


Vor Allem bei Themen-ETFs werden teilweise auch ein mehr oder weniger aktives Management eingesetzt. Fondsmanager*innen suchen besonders aussichtsreiche Unternehmen aus und / oder führen regelmäßige „Qualitätskontrollen“ der im Fonds enthaltenen Unternehmen durch.


Dies mag kontraintuitiv scheinen, da der Begriff „ETF“ im Europäischen Markt mit strikt passivem Management assoziiert wird; in den USA ist es ein marktübliches Phänomen, dass unter dem Titel „ETF“ auch aktive Fonds verkauft werden, die börsengehandelt sind. Anleger*innen sollten sich also nicht darauf verlassen, dass alles, was als „ETF“ bezeichnet wird, auch besonders kostengünstig ist.


Warum sollen Branchen- und Themen-ETFs interessant für Anleger*innen sein?

Es gibt mehrere Argumente, mit denen Branchen- und Themen-ETFs beworben werden.


Zunächst sollen Sie die Vorteile gängiger ETFs mit sich bringen: Niedrige Verwaltungskosten, eine eingebaute Risikostreuung sowie die Möglichkeit, in mehrere Unternehmen mit einer niedrigeren Summe zu investieren, als der Kauf aller Einzelaktien erfordern würde.


Darüber hinaus gibt es mehrere strategische Einsatzmöglichkeiten, bei denen der Branchen- oder Themenfokus einen Vorteil für Anleger*innen schaffen soll:


Überrenditen mit Wachstumsthemen erzielen

Häufig wird die Möglichkeit beworben, mit thematischen ETFs auf „Wachstumsthemen“ oder „Megatrends“ zu setzen. Dadurch sollen sich Anleger*innen die Chance auf eine „Outperformance“ sichern können, d.h. auf Gewinne, die die allgemeine Entwicklung der Weltwirtschaft (oder bestimmter Branchen) übertreffen.


Zu den Themen, denen aktuell besonders große Wachstumschancen zugesprochen werden, gehören beispielsweise:

  • „Gaming“ (Zubehör für Videospiele)
  • Elektromobilität
  • Wasserstoff-Technologie
  • Online-Handel

Entsprechende ETFs investieren ausschließlich in Firmen, die einen Bezug zu dem Thema haben. Dabei legen Manche den Themenfokus breit aus, während andere nur in „Pure Players“ investieren, d.h. Firmen, deren Geschäftsmodell zentral auf das jeweilige Thema ausgerichtet ist.


Antizyklisch investieren (Branchenrotation)

Eine gängige Ansicht unter Ökonomen besagt, dass die Konjunktur sich in Zyklen entwickelt. Aufschwünge und Rezessionen wechseln sich ab wie die Jahreszeiten.


Je nach Konjunkturphase sind bestimmte Unternehmen an der Börse besonders gefragt.


Beispielsweise entwickeln sich in wirtschaftlichen Aufschwungsphasen Branchen gut, die Luxusgüter und teure Unterhaltungselektronik herstellen, weil ihre Produkte häufiger gekauft werden. Anleger*innen werden zu dieser Zeit auch risikoaffiner und zeigen mehr Interesse an Unternehmen, die zwar hohe Gewinnchancen, aber auch unklare wirtschaftliche Perspektiven bieten.


In wirtschaftlichen Abschwungphasen sieht die Lage umgekehrt aus. Die Hersteller von Luxusartikeln müssen mit sinkenden Absätzen rechnen, weil viele Privatpersonen vor größeren Anschaffungen zurückscheuen; dementsprechend sind sie an der Börse weniger gefragt. Dagegen profitieren Unternehmen wie Lebensmittel- und Hygieneartikelhersteller oder Energieversorger. Sie haben zwar meist begrenzte Wachstumschancen, versprechen jedoch Stabilität, weil ihre Produkte unabhängig von der Konjunktur konsumiert werden.


Anleger*innen können potenziell von diesem Effekt profitieren, indem Sie antizyklisch investieren, d.h.: Die Aktien von Branchen, die in der aktuellen Phase verschmäht werden, günstig kaufen und die Aktien von Branchen, die in der aktuellen Phase gefragt sind, teuer verkaufen.


Diese Strategie wird als „Branchenrotation“ bezeichnet. Sie wird von so vielen Anleger*innen zumindest teilweise praktiziert, dass die Börsenkurse oft schon der Konjunkturentwicklung vorauseilen.



Phase Profitierende Branchen
Aufschwung Finanzen,
Technologie,
Konsumgüter

Hochkonjunktur Luxusgüter,
Unterhaltungselektronik,
Technologie

Rezession Basiskonsum,
Energie,
Gesundheit

Depression Basiskonsum,
Gesundheit,
Versorger,
Telekomunikation


Risikostreuung erhöhen

Für einige Anleger*innen bieten Branchenfonds eine Möglichkeit, die Risikostreuung ihres Portfolios gezielt erhöhen und Branchen hinzufügen, die bislang untergewichtet sind.


Das funktioniert jedoch nur bei großen Portfolios, die bereits über viele Investments gestreut sind. Bei kleineren Portfolios – wie sie die meisten Privatanleger*innen haben – führt der Kauf von Branchen- und Themen-ETFs eher zu einem Klumpenrisiko, weil die in einem derartigen ETF enthaltenen Wertpapiere meist stark korreliert sind.


Nach ethisch-ökologischen Kriterien investieren

Viele der von Themen-ETF aufgegriffenen „Megatrends“ sind ethisch-ökologischer Natur. Beispiele dafür sind „nachhaltige Energiegewinnung“, „Kreislaufwirtschaft“, „Klimaschutz“ oder „nachhaltige Nahrungsmittel“.


Anleger*innen können somit gezielt in Themen investieren, die sie auch abseits von den Renditechancen für sinnvoll halten und unterstützen möchten.


Wie hat sich das Volumen von Branchen- und Themen-ETFs entwickelt?

Mittlerweile können deutsche Anleger*innen aus einem ansehnlichen Spektrum von Branchen- und Themen-ETFs wählen. Nach einer Auswertung des Portals JustETF waren im November 2020 in Deutschland 237 Branchen- und Themen-ETFs verfügbar, in denen rund 72 Milliarden € investiert waren. Damit umfassen Sie rund 9 % des Gesamtvermögens aller Aktien-ETFs.


Ihre wachsende Bedeutung zeigt sich vor Allem bei ihrem Anteil bei den Neuemissionen. Im Jahr 2020 fielen rund 35 % aller Neuemissionen von ETFs in das Feld der Branchen- und Themen-ETFs, während es 2016-2018 jeweils rund 20 % waren.


Noch stärker zeigt sich der Trend, wenn ausschließlich Themen-ETFs betrachtet werden. Nach einer Schätzung der Analyse-Agentur MorningStar hat sich ihr Volumen in Europa rasant von rund 5 Mrd. € (2017) auf rund 22,6 Mrd. € (Ende 2020) erhöht. Allein im Jahr 2020 wurden rund 8,9 Mrd. € davon investiert.


Nach Berechnungen des Portals JustETF haben Anleger*innen mehr als 17,5 Milliarden Euro in 66 ETFs investiert, die sich auf „Megatrends“ fokussieren und über das elektronische System XETRA handelbar sind (Stand: 09/2020).


Die Diskussion um Branchen- und Themen-ETFs: Sind sie sinnvoll oder nicht?

Trotz ihrer steigenden Popularität sind Branchen- und Themen-ETFs nicht unumstritten; insbesondere um die populären Themen-ETFs hat sich eine intensive Debatte entwickelt.


Das Hauptargument, mit dem Sie beworben werden, sind die Wachstumschancen von im Trend liegenden Themen (oder „Megatrends“). Viele Themen-ETFs können eine starke Performance in den letzten Jahren aufweisen und mit anschaulichen „Geschichten“ verargumentieren, weshalb weitere Wertzuwächse bevorstehen sollen. Da diese Trends eine wichtige Rolle im täglichen Leben spielen, sollen sie einfach und intuitiv für Anleger*innen nachvollziehbar sein.


So argumentiert beispielsweise Allianz Global Investors, dass Themenfonds eine gute Risikostreuung und Performance aufweisen könne, wenn sie langfristige „Megatrends“ von bloßen Modeerscheinungen abgrenzen. Dafür sollen Freiheitsgrade nötig sein, die klassische Branchen-ETFs oder breit gestreute Markt-ETFs nicht aufweisen können. Dazu zählt beispielsweise die Möglichkeit, gezielt auf „Pure Player“ zu setzen, d.h. Unternehmen, deren Geschäftsmodell direkt auf ein Zukunftsthema ausgerichtet ist.


Kritische Stimmen wie MorningStar kontern mit dem Vorwurf, dass gut performende Themen-ETFs einige Zeit lang wie eine „selbsterfüllende Prophezeiung“ funktionieren: Steigende Preise erzeugen Nachfrage unter Anleger*innen und dadurch steigende Preise.


Wenn die Euphorie abflaut, können jedoch deutliche Verluste bevorstehen – insbesondere deshalb, weil viele Aktien aus Themen-ETFs sehr „illiquide“ sind, d.h. normalerweise nur begrenzt gehandelt werden. Bereits jetzt schätzt MorningStar viele Aktien in Themen-ETFs als „überbewertet“ ein, nachdem sie sich einige Zeit lang deutliche Wertgewinne verzeichnen konnten.


Einige treiben diese Argumentation noch weiter und weisen darauf hin, dass ein Großteil der Renditen von disruptiven „Startups“ klassischerweise mit Frühphasen-Investments abgeschöpft wird. Diese finden jedoch nicht an der Börse, sondern im nicht börsennotierten Venture Capital-Bereich statt. Hierdurch können Interessenskonflikte entstehen.


Erfolgreiche Unternehmen werden zu möglichst hohen Preisen an die Börse gebracht, um die Venture-Capital-Anleger*innen zu befriedigen. Dadurch besteht das Risiko, dass sie überwertet sind und die hohen Wachstumserwartungen der Fondsanleger*innen nicht erfüllen können.


Diese Argumente werden von einer Studie der Ohio State University untermauert. Sie stellte fest, dass Brachen- und Themen-ETFs kosten- und risikobereinigt durchschnittlich 2,9 % Rendite pro Jahr weniger verzeichneten als breit aufgestellte Weltmarkt-ETFs. Als Hauptursache hob sie hervor, dass spezialisierte ETFs oft mit sehr hohen Bewertungen aufgesetzt werden und sich anschließend meist unterdurchschnittlich entwickeln.


Laut der Studie lag das auch an unrealistischen Erwartungen der Anleger*innen. Diese sahen die massiven Wertgewinne vieler Themen-ETFs in der Vergangenheit und erwarteten eine ähnliche Entwicklung in der Zukunft.


Themen-ETFs werden jedoch oftmals dann aufgelegt, wenn die Begeisterung für ein Thema auf dem Höhepunkt ist oder diesen bereits überschritten hat. Statt einem weiteren „Boom“ folgte oftmals eine Stabilisierung der Kurse. Viele Anleger*innen reagierten enttäuscht darauf und stießen die ETFs ab, was die Kurse zusätzlich schwächte.


Darüber hinaus werden des Öfteren die Kosten von Themen-ETFs als ein Nachteil hervorgehoben. Sie haben meist deutlich höhere Verwaltungsgebühren als klassische Indexfonds.


Auch die begrenzte Risikostreuung vieler Themen-ETFs wird bemängelt. In der Regel umfassen Sie nur wenige Dutzend Titel, während breit aufgestellte Markt-ETFs mehrere hundert oder tausend Wertpapiere umfassen können.


Welchen Argumenten sie glauben schenken, müssen Anleger*innen selbst entscheiden. Unabhängig von der Position herrscht weitgehende Einigkeit unter Expert*innen, dass Themen-ETFs allenfalls als Beimischung im Portfolio sinnvoll sind, aber nicht als „Basisbaustein“.


Zusammenfassung: Chancen und Risiken

Die Chancen

  • Branchen- und Themen-ETFs sind teilweise deutlich kostengünstiger als aktiv gemanagte Fonds.
  • Sie sollen die Chance auf eine „Outperformance“ bieten, d.h. auf Wertgewinne, die die Performance von breit gestreuten Aktienfonds schlagen.
  • Anleger*innen können ethisch-ökologische Präferenzen umsetzen und z.B. nachhaltige Technologien fördern.
  • Branchen-ETFs ermöglichen es, antizyklisch zu investieren oder die Risikostreuung eines Portfolios gezielt auszubauen.
  • Themen-ETFs sollen die Chance bieten, von greifbaren und intuitiv verständlichen „Megatrends“ zu profitieren.


Die Risiken

  • Es sind kurz-oder langfristige Wertverluste der Fondsanteile möglich.
  • Teilweise weisen die Fonds eine relativ geringe Risikostreuung auf.
  • Der Branchen- oder Themenfokus kann zu deutlichen Klumpenrisiken führen.
  • Es sind Überschneidungen zwischen verschiedenen Themengebieten möglich, sodass Fonds zu verschiedenen Themen eine große Schnittmenge an denselben Aktien enthalten können.
  • Möglicherweise bieten stark wachsende Themen-ETFs einen späten Einstieg kurz vor der „Trendwende“ eines Themas.


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