Der Unterschied zwischen Aktien & Anleihen - für Anfänger erklärt

ARTIKEL 19.11.2019

Was unterscheidet Aktien und Anleihen? Wir fassen die Differenzen einfach zusammen und vergleichen die Risiken der beiden Anlageformen.


Was sind Aktien?

Aktien verbriefen den Mitbesitz an einem Unternehmen. Aktionäre stellen einer Gesellschaft Eigenkapital zur Verfügung und erhalten dafür Unternehmensanteile.


Als Anteilseiger des Unternehmens stehen Anlegern folgende Rechte zu:


  • Das Recht auf einen Anteil an den Ausschüttungen des Unternehmens
  • Das Recht auf Informationen zur Entwicklung des Unternehmens
  • Das Recht auf Liquidationserlöse im Insolvenzfall


Ein Unternehmen kann sich entscheiden, Gelder an die Aktionäre auszuschütten. Das wird als „Dividende“ bezeichnet. Einen Anspruch darauf gibt es allerdings nicht. Selbst wenn eine Gesellschaft Bilanzgewinne macht, kann sie die Dividendenzahlung aussetzen und das Kapital sparen oder reinvestieren.


Was sind Anleihen?

Anleihen verbriefen einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber einem Unternehmen, einem Staat, einer Stadt oder einer Gemeinde. Der Käufer einer Anleihe gewährt dem Emittenten einen Kredit und erhält dafür das Recht auf regelmäßige Zinszahlungen sowie die Rückzahlung eines feststehenden „Nennwertes“ oder „Nominalwertes“ am Ende der Laufzeit.


Der Emittent bezahlt für seine Anleihe jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich einen vorher festgelegten Zinssatz („Kupon“). Im Gegensatz zu Dividenden ist die Höhe der Verzinsung unabhängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens. Solange es nicht insolvent ist, ist es zu den regelmäßigen Zinszahlungen verpflichtet.


Was sind die Hauptunterschiede zwischen Aktien und Anleihen?

Die wichtigsten Unterschiede entstehen dadurch, dass Aktionäre und Anleiheinhaber unterschiedliche Geschäftsbeziehungen zum Unternehmen haben. Aktionäre sind Anteilseigner und haben dadurch ein Mitspracherecht, auf das Anleiheinhaber als Fremdkapitalgeber verzichten müssen.


Die ist flexibel und kann auch auf null reduziert werden, während die Zinsen von Anleihen meist fest vereinbart sind. Sie können selbst dann nicht ausgesetzt werden, wenn ein Unternehmen vom Konkurs bedroht ist (Vorsicht, das kann mit Klauseln im Anleihevertrag geändert werden).


Im Gegensatz zu Aktien haben Anleihen eine feste Laufzeit, an deren Ende der Anleiheinhaber eine vereinbarte Summe erhält. Wie viel Geldzukünftig bei der Veräußerung einer Aktie erzielt wird, kann ein Aktionär dagegen schwer einschätzen; die Kurse der meisten Aktien sind schwankungsanfällig und reagieren auf zahlreiche wirtschaftliche und politische Faktoren, die kaum vorhersehbar sind.


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Sind Anleihen „sicherer“ als Aktien?

Der Kurs von Anleihen ist tendenziell weniger schwankungsanfällig als der von Aktien. Wer eine Anleihe bis zur Fälligkeit halten möchte, muss sich erst gar nicht mit deren Kurs beschäftigen, sondern nur mit der Bonität des Emittenten. Dadurch und aufgrund der festgelten Zinsen bieten Anleihen eine bessere Planbarkeit bei der Geldanlage. Viele Finanzberater empfehlen deshalb, mit zunehmendem Alter mehr in Anleihen und weniger in Aktien zu investieren.


Erklärung

Warum sind Anleihen weniger schwankungsanfällig als Aktien?

Die geringere Schwankungsanfälligkeit liegt daran, dass in erster Linie zwei Faktoren einen Einfluss auf den Wert von Anleihen haben: Das allgemeine Zinsniveau und die Insolvenzwahrscheinlichkeit des Emittenten. Wenn der Emittent zum Fälligkeitsdatum zahlen kann, weiß der Anleiheinhaber genau, wie viel Geld er erhalten wird.


Der Kurs von Aktien dagegen reagiert auf sämtliche Faktoren, die einen Einfluss auf die zukünftigen Gewinnerwartungen eines Unternehmens haben, denn davon hängen die potenziellen Dividendenzahlungen ab. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist die Bonität eines Unternehmens zu einem festgelegten Zeitpunkt deutlich einfacher zu prognostizieren als die Gewinnerwartungen auf kurze, mittlere und langfristige Sicht.


Außerdem können Anleger über Anleihen Ihr Geld auch Staaten zur Verfügung stellen, von denen viele – wie beispielsweise der deutsche Staat – als besonders ausfallsichere Emittenten gelten.


Für die Sicherheit von Anleihen spricht auch, dass die Inhaber gängiger Anleihen im Insolvenzfall vor den Aktionären bedient werden. Es ist jedoch genauso möglich, dass bei einer Schieflage des Unternehmens zunächst Abschläge oder ein Zinsverzicht mit den Anleihegläubigern vereinbart werden, um eine Insolvenz zu verhindern.


Wichtig ist: Sowohl Aktien wie auch Anleihen können ausfallen, wenn der Emittent in die Insolvenz geht. Das Insolvenzrisiko hängt bei beiden Anlageklassen vom Emittenten ab. Es gibt beispielsweise auch Anleihen, die als „Hochzinsanleihen“ oder „Junk Bonds“ bekannt sind und hohe Zinsen mit einem beträchtlichen Ausfallrisiko kombinieren.


Wie bei Aktien kann eine Streuung über viele Titel das Risiko von Verlusten durch Ausfälle mindern, während eine Konzentration auf wenige Anleihen gefährlich sein kann.


Anleger sollten sich auch über ein weiteres Risiko im Klaren sein: in der jetzigen Niedrigzinsphase rentieren viele Anleihen von als „sicher“ geltenden Emittenten unter dem Inflationsniveau oder sogar negativ. Der Schutz vor Ausfällen muss also mit einem schleichenden Verlust von Kaufkraft bezahlt werden.


Fazit

Anleihen haben tendenziell geringere Verlustrisiken als Aktien und planbarere Erträge. Diese stehen jedoch geringeren Renditechancen gegenüber.


Blind auf die „Sicherheit“ von Anleihen verlassen kann man sich nicht, denn auch im Anleihenmarkt gibt es risikoreiche und sogar unseriöse Angebote. Dazu kommt, dass die „typischen“ Eigenschaften von Anleihen (sie müssen zum Fälligkeitsdatum zurückgeführt werden, stehen weit vorne in der Insolvenzreihenfolge etc.) durch vertragliche Klauseln verändert werden können.


Wenn Anleger keine böse Überraschung erleben möchten, sollten sie vor jedem Investment verstehen, wem sie ihr Geld zur Verfügung stellen und zu welchen Bedingungen.


Risikoreiches Kombinationsprodukte: Aktienanleihen

Aktienanleihen, die auch als „reverse convertible bond“ bekannt sind, werden meist von Banken ausgegeben. Wie bei normalen Anleihen zahlt der Emittent fest vereinbarte Zinszahlungen.


Wie viel der Inhaber zum Laufzeitende erhält, ist vom Aktienkurs des Emittenten anhängig. Bei der Emission der Anleihe wird ein „Basispreis“ festgelegt. Zu einem bestimmten Sichttag, meist kurz vor der Fälligkeit der Aktie, wird der Aktienkurs mit dem Basispreis verglichen.


Liegt der Aktienkurs auf dem Basispreis oder darüber, erhält der Inhaber den Nennwert der Anleihe. Liegt der Aktienkurs unter dem Basispreis, erhält er nur den Gegenwert einer festgelegten Anzahl von Aktien oder die Aktien selbst.


Aktienanleihen werben meist mit besonders attraktiven Zinsen, die jedoch mit entsprechenden Risiken einhergehen. Entwickelt der Emittent sich gut, profitieren Anleger nicht von den steigenden Kursen. Sie erhalten höchstens die Zinszahlungen und den Nennwert der Anleihe.


Gerät der Emittent dagegen in stürmisches Fahrwasser, werden Anleger unfreiwillig zu Aktionären und geraten damit in eine Position, die besonders empfindlich auf Turbulenzen des Unternehmens reagiert. Sie müssen wahrscheinlich erst einmal Verluste hinnehmen, ohne dass eine langfristige Erholung des Aktienkurses sicher ist. Manche kritischen Experten behaupten deshalb sogar, dass Aktienanleihen die Nachteile beider Anlageformen kombinieren.


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