Wealth Management – Exklusive Finanzdienstleistung im Wandel?

ARTIKEL 29.03.2022

Kaum ein Geldanlage-Begriff verströmt so viel Exklusivität wie das "Wealth Management". In diesem Beitrag erfahren Sie, wer es sich leisten kann, welchen Mehrwert es bietet und warum sich der Markt für Wealth Management in einem radikalen Umbruch befindet.


Was bedeutet "Wealth Management"?

Der Begriff "Wealth Management" umfasst Finanzdienstleistungen für vermögende Privatpersonen.

Seine Zielgruppe sind in der Regel mindestens "High Net Worth Individuals", d.h. Privatpersonen, die mindestens 1 Mio. $ investierbares Vermögen haben. In selteneren Fällen richtet es sich auch an Stiftungen und institutionelle Investoren.


Aufgrund der hohen Anlagesummen erhalten Sie im "Wealth Management" einen "exklusiven" Service. Es umfasst Dienstleistungen, die über das normale Privatkundengeschäft hinaus gehen.


Welche das sind, ist jedoch nicht einheitlich definiert. Es kann von einer umfassenderen Anlageberatung bis hin zur aktiven Verwaltung sämtlicher Vermögenswerte reichen.


Was ist der Unterschied zwischen "Wealth Management" und "Private Banking"

Auch hier gibt es keine klare Abgrenzung. Die Begriffe werden teilweise synonym verwendet. Manche Anbieter nutzen darüber hinaus den Begriff "Private Wealth Management" für die Betreuung von besonders vermögenden Individuen.


Oft wird der Begriff "Private Banking" jedoch auch für die Betreuungsklasse zwischen dem Massengeschäft und dem Wealth Management verwendet. Sie umfasst dann Kund*innen, die zwar wohlhabend sind, aber noch nicht genug Anlagevermögen für den "bestmöglichen" Service mitbringen.


Sie erhalten dementsprechend eine intensivere Betreuung als "reguläre" Privatkunden, aber nicht den vollen Serviceumfang des "Wealth Managements". Dieser ist so aufwändig, dass er sich erst bei sehr hohen Anlagesummen lohnt.


Beispielsweise verfügt die Deutsche Bank über einen "Private Banking"-Bereich, der mit standardisierten Produkten sowie digitaler Betreuung arbeitet. Er soll somit einen erweiterten Service mit möglichst effizienten Prozesse abbilden.


ab rund zwei Mio. € Anlagesumme zugänglich. Er geht mit einer "exklusiveren", d.h. umfangreicheren und persönlicheren Betreuung einher.


Dabei bietet er ein breites Spektrum von Dienstleistungen, die über die reine Geldanlage hinausgehen. Beispiele dafür sind:

  • Nachlass- und Treuhandplanung
  • Planung von philantropischen Engagements
  • Finanzierungslösungen für Beteiligungen, Immobilien und Privatflugzeuge
  • ESG-Investing mit persönlich abgestimmten Zielsetzungen


  • Welche Vorteile bietet das Wealth Management?

    Wenn Sie das entsprechende Kapital besitzen, gibt es mehrere sinnvolle Gründe für die Nutzung von Wealth Management.


    Zunächst ist die Verwaltung großer Vermögen zeitaufwändig und anspruchsvoll. Für viele Wohlhabende ist es schlichtweg zu viel Arbeit – insbesondere, weil sie häufig beruflich stark eingebunden sind und wenig Zeit haben.


    Wealth Management bietet Ihnen die Möglichkeit, diese Aufgabe auszulagern und – aufgrund der intensiven Betreuung – trotzdem ein hohes Maß von Kontrolle und Einfluss beizubehalten. Außerdem wird Ihr Vermögen aktiv von Fachleuten verwaltet, die Ihnen durch Strategien wie das Value Investing die Chance auf Überrenditen im Vergleich zu einer "passiven" Anlage verschaffen können.


    Außerdem zeichnen sich exklusivere Formen des Wealth Managements durch ihre "Ganzheitlichkeit" aus, d.h. durch die Betrachtung sämtlicher Vermögenswerte und Finanzprodukte einer Person.


    Insbesondere bei großen, breit aufgestellten Vermögen lassen sich dadurch Vorteile erzielen, wie beispielsweise die Optimierung von Steuern oder die Vermeidung von Klumpenrisiken.


    Ein weiterer Vorteil des Wealth Managements ist das große Spektrum an verfügbaren Anlageprodukten. Dieses geht meist über gängige Produkte wie Aktien, Anleihen oder Immobilien hinaus. Mit weniger verbreiteten Anlageklassen wie Private Equity erhalten Sie die Chance, Ihr Vermögen noch breiter zu diversifizieren und es so gegen Schwankungen am Aktienmarkt abzusichern.


    Außerdem ist es für viele Wohlhabende wichtig, ihr Vermögen über Generationen hinweg zu erhalten. Viele Wealth Management-Anbieter setzen hier an und beschäftigen sich neben Kapitalanlagen auch intensiv mit der Nachlass- und Treuhandplanung.


    Wer bietet Wealth Management an?

    Das Wealth Management ist ein voller und umkämpfter Markt. Insbesondere ultrawohlhabende Personen it einem investierbaren Vermögen von mehr als 30 Mio. $ sind eine sehr lukrative Zielgruppe und werden von vielen Anbietern ins Visir genommen.


    Eine klassische Anbietergruppe auf dem Wealth Management-Markt sind Banken. Das umfasst sowohl Großbanken, die gesonderte Wealth Management-Betreuung anbieten, als auch Privat- und Investmentbanken, die vielleicht gar kein "Massengeschäft" haben.


    Daneben gibt es auch eine Reihe von Investmentgesellschaften, die auf Finanzberatung spezialisiert sind und selbst kein Einlagengeschäft betreiben.


    Eine weitere Gruppe sind Family Offices. Dabei handelt es sich um spezialisierte Teams, die von wohlhabenden Personen angestellt sind und in ihrem Sinne handeln sollen. In der Regel managen sie ein Vermögen nicht komplett selbst, sondern arbeiten mit einem breiten Netzwerk an Finanzfachleuten zusammen. Außerdem bieten sie teilweise auch nicht-finanzielle Dienstleistungen an, die vom Reisemanagement bis zur Ausbildungsplanung der Kinder reichen können.


    Ein hauseigenes Family Office ist jedoch kostenintensiv und lohnt sich erst ab Anlagesummen von rund 250 Mio. €. Für kleinere Vermögen bieten sich "Multi Family Offices" an, die mehrere Mandate gleichzeitig übernehmen. Der Begriff ist nicht geschützt oder standardisiert, so dass sich auch das Leistungsangebot verschiedener "Multi Family Offices" deutlich unterscheidet.

    Sinkende Mindestanlagesummen durch die Digitalisierung

    In den letzten Jahren bemerken Expert*innen einen zunehmenden Trend zur "Demokratisierung" des Wealth Managements. Einige Gesellschaften bieten entsprechende Dienstleistungen schon für Summen an, die früher nicht wirtschaftlich gewesen wären.


    Der Grund ist, dass mittlerweile viele Prozesse digitalisiert und damit kostengünstiger gemacht werden können. Eine Extremform sind "Robo Advisors" – digitale Anlageberater, die ein Portfolio weitgehend automatisiert verwalten können.


    Sie haben oft drei- bis fünfstellige Anlagesummen und richten sich damit an eine neue Zielgruppe: Personen, die wohlhabend, aber für das klassische Wealth Management noch nicht vermögend genug sind. Sie können sechs- oder siebenstellige Summen anlegen und sind oft unzufrieden mit den Optionen, die ihnen das "Private Banking" bietet.


    Robo Advisors übernehmen allerdings keine "vollumfängliche" Strukturierung des Gesamtvermögens, sondern fokussieren sich meist auf den Teilbereich Geldanlage mit börsengehandelten Produkten.


    Außerdem möchten nicht alle auf den persönlichen Kontakt mit Anlageberater*innen verzichten. Als eine Zwischenlösung für anspruchsvolle Anleger*innen entwickeln manche Anbieter Hybridlösungen, die eine automatisierte Investment-Verwaltung mit optionaler persönlicher Betreuung kombinieren. Ein prominentes Beispiel dafür ist "UBS My Way".


    Ab welchem Vermögen ist ein Wealth Management verfügbar?

    Klassisches Wealth Management ist an vermögende bis hochvermögende Personen ausgerichtet. Je nach Anbieter beträgt die Mindesteinlage 100.000 € bis mehrere Millionen.


    Häufig ist dieser Wert nicht "fix", sondern hängt auch von dem Potenzial ab, dass der Anbieter in Ihnen als Kund*in sieht. Wenn er davon ausgeht, dass Sie in Zukunft mehr anlegen werden, erhalten Sie möglicherweise schon mit einer geringeren Summe das exklusive Serviceniveau.


    Anbei finden Sie eine Übersicht, wie hoch die ungefähre Mindestanlagesumme bei ausgewählten Anbietern ist:


    Anbieter Art Mindestanlagesumme
    Deutsche Bank Großbank 2 Mio. €
    Commerzbank Großbank 1 Mio. €
    Julius Bär Multi-Family Office 1,5 Mio. €
    Gerd Kommer Invest Investmentgesellschaft 1 Mio. €
    Flossbach von Storch Investmentgesellschaft 100.000 €
    Liqid Robo Advisor 100.000 €
    Scalable Capital Robo Advisor 1.000 €
    Quirion Robo Advisor Keine; persönliche Beratung ab 20.000 €
    UBS My Way Robo Advisor (Kombiniert mit persönlicher Betreuung) 230.000 €


    Vor welchen Herausforderungen steht zeitgenössisches Wealth Management?

    Eine Herausforderung für "klassische" Anbieter ist die bereits erwähnte Digitalisierung.


    Durch neue Technologien ist es nicht nur möglich, den Kund*innen besseren Zugriff auf Übersichten und Dienstleistungen zu geben. Die digitale Abwicklung von Prozessen bietet das Potenzial dazu, viele Services deutlich kostengünstiger zu machen oder sie noch mehr zu personalisieren.


    Für so manches Unternehmen könnte das zur Überlebensfrage werden, weil viel Konkurrenz auf dem Markt für Wealth Management herrscht und die erzielbaren Margen sinken.


    Allerdings ist es unwahrscheinlich, dass "die Maschine" im Wealth Management den Menschen komplett ersetzen wird. Spätestens wenn ein Portfolio durch Kurskorrekturen an Wert verliert, möchten viele Anleger*innen persönlich aufgeklärt und beraten werden.


    Modernes Wealth Management steht also vor der Herausforderung, eine möglichst effiziente digitale Abwicklung mit dem richtigen Maß an menschlicher Betreuung zu kombinieren.


    Doch nicht nur die Technologie ändert sich, sondern auch die Zielgruppe. Nach Ansicht von Deloitte ist diese zunehmen besser über das Thema "Geldanlage" informiert und daher sehr anspruchsvoll. Sie ist Anbietern gegenüber weniger treu als frühere Generationen – wenn ein anderer Wealth Manager klaren Mehrwert bieten kann, wechselt sie gern.


    Von daher stehen Wealth Management-Anbieter zunehmend unter dem Druck, ihre eigenen Kompetenzen herauszuarbeiten und sich so vom Wettbewerb zu differenzieren.