Schiffscontainer kaufen als Geldanlage: Chancen und Risiken

ARTIKEL 24.04.2019

In diesem Artikel stellen wir Ihnen Container-Investments vor. Erfahren Sie mehr über die Chancen, Risiken und die Funktionsweise einer Anlage in Transportcontainer.


Was sind Schiffscontainer und wie können Anleger in sie investieren?

Über 70 Prozent des globalen Transportverkehrs werden mit standardisierten Stahlcontainern abgewickelt. Sie vereinfachen den Frachtalltag enorm, weil sie es ermöglichen, Ladegut rasch, effizient und zeitsparend umzuschlagen.


Bereits seit mehreren Jahrzehnten bieten einige Emissionshäuser Anlegern die Möglichkeit, sich an derartigen Containern als Kapitalanlageobjekte zu beteiligen. Das Modell funktioniert wie folgt:


Anleger leasen, mieten oder kaufen neue oder gebrauchte Transportcontainer für eine festgelegte Laufzeit. Die Container werden vom Emissionshaus an Leasinggesellschaften oder internationale Reedereien weitervermietet. Diese müssen durch das Leasing weniger Kapital binden, als der Kauf eines Containers kosten würde.


Am weitesten verbreitet bei Kapitalanlageanbietern sind 20 oder 40 Fuss große Container und „Wechselkoffer“, die vor allem im LKW- und Bahnverkehr eingesetzt werden.


Eine Beteiligung an Containern ist in zwei Formen möglich:


  • Bei einem Containerfonds beteiligen sich viele Anleger an einem Portfolio von Containern.
  • Bei einer Direktanlage kauft ein Anleger einen oder mehrere Container.


Während der Laufzeit erhält der Anleger quartalsweise oder monatliche Mietzahlungen vom Emittenten, die fest vereinbart sind. Am Ende werden die Container vom Emittenten zurückgekauft und die Anleger erhalten die Erlöse. Bei manchen Angeboten gibt es einen garantierten Mindestverkaufspreis, bei anderen nur einen Prognosewert, den der Emittent in Aussicht stellt.


Welche Renditen bieten Containerinvestments?

Die Rendite eines Containerinvestments wird über die laufenden Mietzahlungen und den Rückkauferlösen des Containers generiert.


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Beim Verkauf am Ende der Laufzeit erhalten Anleger in der Regel nicht ihr volles eingesetztes Kapital zurück, da ein Container an Wert verliert. Der Differenzbetrag muss mit den Mietzahlungen verrechnet werden, um die Rendite des Containerinvestments korrekt einschätzbar zu machen.


Aktuell werben Anbieter mit erzielbaren Renditen von rund 4,5 % p.a. vor Steuern (Stand: April 2019).


Wo und wie können Anleger Schiffscontainer als Geldanlage kaufen?

Wie auch Schiffsbeteiligungen gerieten nach der Finanzkrise zahlreiche Containeranbieter in Schieflage. Mittlerweile ist der Markt für Containerinvestments deshalb überschaubar und es werden nur unregelmäßig Investments angeboten.


In Deutschland sind Buss und Solvium die beiden größten aktiven Anbieter von Container und Anteile an Containerfonds.


Wie hoch ist die Mindestanlagesumme?

Beim Anbieter Solvium können Anleger ab 10.400 € einen Wechselkoffer, d.h. einen Container für den Schienen- und Straßenverkehr, kaufen. (Stand April 2019)


Laufzeiten

Die Laufzeiten von Containerinvestments können von zwei bis zu zehn Jahren reichen.


Sie sind abhängig vom Zustand der Container. Investments in neue Container laufen in der Regel länger als Investments in gebrauchte Container.


Welche Risiken gibt es für Anleger?

Das größte Risiko bei einem Containerinvestment stellt die Insolvenz des Emissionshauses dar. Diese kann beispielsweise eintreten, wenn aufgrund einer schwachen Konjunkturphase weniger Frachtcontainer nachgefragt werden und der Emittent seine Container nicht oder nur zu unrentablen Preisen weitervermieten kann.


Dass die Insolvenz eines Emissionshauses kein unrealistisches Szenario ist zeigt sich, als mehrere Anbieter mit jahrzehntelanger guter Leistungsbilanz in Schieflage gerieten.


Info

Große Insolvenzen von Containerinvestment-Emittenten

Im Mai 2016 überraschte die Insolvenz der MAGELLAN Maritime Services GmbH die rund 9.000 Anleger des Unternehmens. Nach eigenen Angaben war das Unternehmen in Zahlungsschwierigkeiten geraten, weil einige Containerhersteller die Zahlungsziele verkürzt hatten. Der Insolvenzverwalter entschied sich für die Liquidierung des Unternehmens. Beteiligte Anwälte haben bekanntgegeben, dass den Anlegern Rückflüsse von rund 25 % - 35 % ihrer Einlagensumme (einschließlich zuvor geleisteter Ausschüttungen) in Aussicht gestellt worden ist.


Im Frühjahr 2018 musste der Marktführer mit über 54.000 Anlegern, die 41 Jahre alte P&R Gruppe, Insolvenz anmelden. Das Unternehmen selbst begründete seine Probleme mit den seit 2011 rückläufigen Containerpreisen. Die vertraglich vereinbarten Rückkäufe mussten zu Preisen ausgeführt werden, die P&R beim Weiterverkauf nicht erzielen konnte. Eine erste Untersuchung der Insolvenzverwalter deutet darauf hin, dass seit rund 10 Jahren neueingeworbene Anlegergelder genutzt wurden, um Mietauszahlungen und Rückkäufe für Bestandskunden zu leisten.


Auch der Stahlpreis hat einen Einfluss auf die Rentabilität des Containergeschäfts. Sinkt er stark, verringert sich der Preis für neue Container. Der Emittent kann möglicherweise nicht mehr die geplanten Miet- und Verkaufserlöse erzielen und möglicherweise in Liquiditätsnot kommen. Bei Angeboten ohne festen Rückkaufswert, erhalten Anleger möglicherweise weniger als die prognostizierte Summe.


Da Containergeschäfte meist in Dollar abgerechnet werden, besteht ein Währungsrisiko, welches je nach Angebot der Emittent oder der Anleger trägt.


Dagegen werden physische Risiken wie Beschädigung oder Diebstahl des Containers in der Regel versichert.


Container-Investments sind also keine „sichere Geldanlage“, sondern unternehmerische Beteiligungen mit Verlustrisiken bis hin zum Totalausfall.


Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Mindest­­anlage­­summe

Aktuell sind Angebote ab 10.400 € verfügbar (Stand: April 2019)

Renditen

Anbieter werben mit rund 4,5 % p.a. vor Steuern.

Ge­­bühren
Anbieter finanzieren sich über "Weichkosten" (der Anteil der Einlagen, welcher nicht ins Investionsobjekt fließt) und über Miet- oder Pachterlöse, welche über die mit Anlegern finanzierten Sätze hinausgehen.
Lauf­zeiten

In der Regel laufen Container-Investments zwei bis zehn Jahre.

Sicher­­heiten
Container-Investments fallen unter keine Einlagensicherung. Geht der Emittent insolvent, haben Anleger i.d.R. ein Anrecht auf die Verwertung ihres Containers.


Wie können Anleger die Qualität eines Containerangebots einschätzen?

In den letzten Jahren haben Verbraucherschützer wiederholt vorgeworfen, dass viele Anbieter von Container-Investments die Risiken Ihrer Produkte nur unzureichend darstellen und keine transparenten Kalkulationen bereitstellen (Beispiel: ein Artikel der Stiftung Warentest). Um die Qualität eines Angebotes einzuschätzen, können Anleger folgende Fragen stellen:


  • Ist die Kalkulation des Kaufpreises des Containers transparent und nachvollziehbar? Enthält sie Vertriebsprovisionen, Gewinnmargen, Transportkosten für die Lieferung zur Reederei?
  • Erscheint der Rückkaufspreis höher als bei anderen Angeboten? Das erhöht das Risiko, dass der Emittent den Preis nicht erzielen kann.
  • Wie hoch sind die den Anlegern in Aussicht gestellten Miet- oder Leasingraten im Vergleich zu branchenüblichen Raten? Sind sie gleich hoch oder höher, kann der Emittent möglicherweise nicht nachhaltig wirtschaften.
  • Hat der Anbieter eine solide Leistungsbilanz? Diese deutet auf eine hohe Qualität hin, aber ist allein kein ausreichendes Entscheidungskriterium. Eine Insolvenz ist auch bei lange etablierten Anbietern nicht ausgeschlossen, wie die Schieflage der P&R-Gruppe zeigt.


Vorteile und Nachteile im Überblick


Chancen/Vorteile

  • Es sind höhere Renditen als bei festverzinslichen Anlagen möglich.
  • Container-Investments haben in der Regel kürzere Laufzeiten als viele geschlossene Beteiligungen.
  • Nach der Anlageentscheidung benötigt ein Container-Investment kaum Verwaltungsaufwand.


Risiken/Nach­teile

  • Es besteht das Risiko von Verlusten bis hin zum Totalausfall.
  • Der Erfolg von Container-Investments hängt von Faktoren ab, die sich nur schwer prognostizieren lassen (Beispielsweise die Entwicklung der Konjunktur, die Entwicklung des Stahlpreises und Währungskursen)


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