Sachwerte als Investment 2021: Welche Chancen und Risiken gibt es?

ARTIKEL 10.02.2021

In Zeiten von Niedrigzinsen und Krisenangst gewinnen Sachwerte als Investments an Beliebtheit. Warum ist das so, und können sie die Erwartungen der Anleger*innen erfüllen? Welche Auswirkungen hatte die Corona-Krise?


Was sind Sachwerte?

Als „Sachwerte“ werden Anlagegüter bezeichnet, die in physischer Form bestehen und einen materiellen (Nutz-)Wert haben.


Das Gegenteil sind „Geldwerte“, deren Wert auf einem Versprechen beruht. Beispielsweise werden Bar- und Giralgeld mit dem Versprechen ausgegeben, dass sie gegen Waren und Dienstleistungen eingetauscht werden können. Darüber hinaus haben sie keinen praktischen Nutzen.



Die wichtigsten Beispiele für Sachwerte sind:

Immobilien

Immobilien sind gehören zu den am weitesten verbreiteten Sachwerten. Anleger*innen haben mehrere Möglichkeiten, sich an Immobilien zu beteiligen:



Je nach Investitionsvehikel können sie von einer festen Verzinsung, den Mieteinnahmen und/oder eventuellen Wertsteigerungen profitieren.


Immobilien, die Anleger*innen direkt besitzen, können ihnen darüber hinaus diverse Steuervorteile bringen. Insbesondere Denkmalimmobilien haben ein hohes Potenzial für Abschreibungen.


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Erneuerbare Energieprojekte

Solaranlagen, Windkrafträder, Biogasanlagen und ähnliches werden häufig als nachhaltige Geldanlagen an Privatpersonen vermarktet. Anleger*innenkönnen einzelne Solarpanele erwerben oder sich zusammen mit anderen an ganzen Solar-, Wind- oder Biogaskraftwerken beteiligen. Das geht über geschlossene Beteiligungen, aber auch in Form von Anleihen oder Genussrechten.


Energieprojekte stellen oft attraktive Renditen in Aussicht, die jedoch von staatlichen Subventionen abhängig sind.


Dazu kommt: Erneuerbare Energien sind ein hochtechnologisches Feld, das sich durch Innovationen ständig verändert. Die Chancen und Risiken eines Projekts können deshalb nur Expert*innen richtig einschätzen.


Transportmittel

Einige spezialisierte Anbieter verkaufen Schiffe, Laster, Flugzeuge, Container und andere Transportmittel an Kapitalanleger*innen und verleasen diese anschließend an Logistikunternehmen. Die Anleger*innen erhalten regelmäßige Mietzahlungen. Am Ende der Investmentphase wird das Transportmittel verkauft oder verschrottet und die Anleger*innen erhalten die Erlöse.


Container können direkt erworben werden, bei anderen Transportmitteln ist eine Investition meist über geschlossene Beteiligungen möglich.


Insbesondere Containerschiffe erfreuten sich einiger Zeit lang hoher Beliebtheit unter deutschen Privatanleger*innen, da sie zunächst als Steuersparmodell und nach einer Fiskusreform als besonders renditestarkes Investment vermarktet wurden.


Durch die zahlreichen Investitionen entstand jedoch eine Überkapazität an Frachtschiffen. Im Zuge der Finanzkrise sanken die Charterraten dramatisch und viele Anleger*innen gingen mit Verlusten aus ihren Beteiligungen. Eine ähnliche Entwicklung gab es bei Frachtcontainern, so dass mehrere Anbieter*innen die zugesicherten Auszahlungen nicht mehr leisten konnten und Insolvenz anmelden mussten.


Im Zuge dieser Insolvenzen hat der einst große Markt deutlich an Bedeutung verloren. Heute gibt es nur noch vereinzelte Angebote von Transportmittel-Investments für Privatanleger*innen.


Edelmetalle

Edelmetalle wie Gold und Silber werden häufig als „Kriseninvestment“ vermarktet, das während wirtschaftlicher Krisen und Hyperinflations-Zeiten das Vermögen der Anleger*innen erhalten soll.


Anleger*innen sollten jedoch beachten, dass Edelmetalle ein spekulatives Investment sind, da es keine Zinsen oder Dividenden erwirtschaftet. Die Preise von Edelmetallen können ähnlichen Schwankungen unterliegen wie Aktien und zeitweise auch sinken.


Mittlerweile gibt es mehrere Vehikel, mit denen Anleger*innen sich an der Preisentwicklung verschiedener Edelmetalle beteiligen können:


  • Der Kauf von Barren und Münzen. Diese können bei machen Anbietern gegen eine Gebühr aufbewahrt werden.
  • Zertifikate, die an den Preisindex eines Edelmetalls gekoppelt sind.
  • Exchange Traded Commodities (ETCs) sind Schuldverschreibungen, die den Wert einer bestimmen Menge Gold verbriefen und oft einen Anspruch auf die physische Lieferung dieses Goldes beinhalten.


Insbesondere bei Investments, bei denen das Edelmetall nicht physisch ausgehändigt wird, sollten Anleger*innen den Anbieter kritisch prüfen. In der Vergangenheit wurden bereits Anbieter mit dem Vorwurf des gewerbsmäßigen Betrugs belangt, weil sie Gold verkauften, das sie gar nicht im Bestand hatten.


Rohstoffe

Rohstoffe wie Öl, Industriemetalle, Kakao und Getreide werden in Form von Terminkontrakten an der Börse gehandelt. Diese legen fest, dass zu einem bestimmten Datum eine vereinbarte Rohstoffmenge zu einem bestimmten Preis abgenommen wird.


Anleger*innen können diese Terminkontrakte erwerben und darauf spekulieren, dass sie vor dem Fälligkeitszeitpunkt an Wert gewinnen. Außerdem gibt es Fonds und ETFs, die den Handel mit Terminkontrakten für den Anleger*innen übernehmen.


Wälder und Plantagen

Über Agrar- und Forstinvestments können sich Anleger*innen am Anbau eines natürlichen Rohstoffes beteiligen. In der Regel kaufen sie Wald- oder Plantagenanteil, der von einem Dienstleister bewirtschaftet wird. Alternativ gibt es geschlossene Beteiligungen, die in mehrere Plantagen investieren.


Ihre Rendite erwirtschaften Forstinvestments mit dem Verkauf der Rohstoffe sowie des Wald- oder Plantagenanteils. Es handelt sich meist um jahrzehntelange Investments, die oft mit hohen Renditen werben, aber auch entsprechend risikobehaftet sind. Beispielsweise können die Pflanzen von Schädlingen zerstört werden oder die Rohstoffpreise können sich schlechter als prognostiziert entwickeln.


Verbraucherschützer*innen warnen häufig davor, dass es auf dem Markt für Forstinvestments einige unseriöse Anbieter mit unrealistischen Renditeversprechen und vagen Erfolgsaussichten gibt.


Aktien

Aktien gelten ebenfalls als Sachwerte, weil sie das Miteigentum an einem Unternehmen verbriefen, welches wiederrum physische Güter (Maschinen, Computer, Immobilien etc.) in seinem Besitz hält.


Sammlerobjekte

Sammlerobjekte können eine Vielzahl von Gegenständen sein, die einen Seltenheitswert besitzen. Bekannte Beispiele sind Oldtimer, Diamanten, Schallplatten, Luxusuhren, Musikinstrumente, Kunstgegenstände, Whiskeys oder Weine.


Sie sind ein schwieriges Feld für Investitionen, denn der Material- und Gebrauchswert von Sammlerobjekten steht meist in keinem Verhältnis zum Preis. Anleger*innen müssen darauf spekulieren, dass ein Gegenstand „Sammlerwert“ entwickelt/behält und später einmal zu einem höheren Preis veräußert werden kann. Außerdem sind sie oft nicht sonderlich liquide, weil der Kreis der potenziellen Käufer*innen sehr begrenzt ist.


Welche Gegenstände später von Sammler*innen begehrt werden und welche nicht, ist jedoch häufig schwer absehbar.


Auch der Zustand spielt eine große Rolle für die erfolgreiche Veräußerung. Beispielsweise kann bei Luxusuhren bereits ein kleiner und kaum sichtbarer Kratzer den Wert eines Sammlerstückes stark mindern. Damit ein Investment in Sammlerobjekte gelingt, müssen diese deshalb fachmännisch ausgewählt und gepflegt werden.


Sind Sachwerte eine sichere Geldanlage?

Für die Sicherheit von Sachwerten spricht, dass ein materieller Wert hinter dem Investment steht und die Anleger*innen in der Regel die juristischen Eigentümer*innen des Anlageobjekts sind.


Trotzdem ist der Kapitalerhalt in der Regel nicht garantiert. Auch gefragte Güter wie Immobilien und Gold können vorübergehend an Wert verlieren. Außerdem müssen Anleger*innen bedenken, dass beim Kauf von Sachwerten meist Nebenkosten fällig werden, die durch Wertsteigerungen und Mieten wieder erwirtschaftet werden müssen.


Meist besteht ein Totalverlustrisiko, wenn der Sachwert verloren geht oder eine Fremdfinanzierung nicht bedient werden kann und die Bank den Sachwert als Sicherheit einfordert. Ein prinzipielles Argument gegen die Qualität von Sachwerten ist das nicht, doch sollten sich Anleger*innen vor Augen führen, dass sie auch bei Sachwert-Investments Risiken eingehen müssen, um Renditen über dem Sparzins-Niveau zu erreichen.


Eignen Sachwerte sich als Krisen- und Inflationsschutz?

In Zeiten von politischer und wirtschaftlicher Unsicherheit gewinnen Sachwerte häufig an Beliebtheit. Anleger*innen möchten einen Teil ihres Vermögens vor einer möglichen Krise des Geldsystems „retten“.


Auch in der Niedrigzins-Phase werden Sachwerte oft als „Inflationsschutz“ vermarktet, weil ihre Substanz mit der Inflation an Wert gewinnen soll.


Tendenziell besteht die Chance auf Preissteigerungen. Insbesondere wenn ein Sachwert durch eine Phase starker Inflation gehalten werden wird, kann er einen Teil des eingesetzten Vermögens erhalten.


Trotzdem sollten sich Anleger*innen bewusst sein, dass die Preise der meisten Sachwerte vorübergehend oder langfristig sinken können. Auch wenn ein Sachwert zu teuer erworben wird, lassen sich mit ihm möglicherweise keine Wertsteigerungen realisieren.


Sachwerte bieten also gute Chancen auf Krisen- und Inflationsschutz, aber keine pauschale „Sicherheit“. Ob ein Sachwert-Investment das Vermögen der Anleger*innen erfolgreich erhalten kann, hängt immer vom konkreten Investitionsgegenstand und dem Einkaufspreis ab.


Corona-Pandemie 2020/2021: Waren Sachwerte ein wirksamer Schutz vor der Krise?

Das kann nicht pauschal beantwortet werden. Während einige Sachwerte sich im Corona-Umfeld gut entwickelt haben, sind andere unter Druck geraten.


So konnte Gold, das häufig in unsicheren Zeiten an Beliebtheit gewinnt, deutliche Preiszuwächse erzielen. Deutlich gefallen ist dagegen der Ölpreis, was mit einem sinkenden Treibstoffverbrauch infolge der „Lockdown“-Maßnahmen erklärt wird.


Auch bei Immobilien ist die Situation gespalten. Wohnimmobilien waren kaum von den Folgen der Krise betroffen, sodass das große Interesse von Investor*innen erhalten blieb. Hotels und Einzelhandelsimmobilien (ohne Lebensmittelmärkte) mussten dagegen lange geschlossen bleiben und verloren an Vertrauen.


Da die langfristigen Folgen von Corona auf den Büroimmobilien-Markt noch nicht absehbar sind, verhalten sich auch Investor*innen zurückhaltender. Generell gilt jedoch: Attraktive Objekte (mit guter Lage und Ausstattung) sind weiterhin gefragt und werden gehandelt.


Typische Vorteile von Sachwerten

  • Ein Investment in Sachwerte ist tendenziell greifbarer als ein Investment in komplexe Finanzprodukte, wobei es jedoch auch Sachwerte gibt, deren Chancen und Risiken nur Experten einschätzen können.
  • Sachwerte haben einen materiellen Wert, der tendenziell mit der Inflation steigt und nicht so leicht einen Totalausfall realisieren kann wie beispielsweise ein Kreditprodukt.
  • Viele Sachwerte können als Sicherheit für einen Kredit verwendet werden.


Typische Risiken von Sachwerten

  • Dass Sachwerte langfristig im Wert steigen, ist nicht garantiert. Wertverluste sind möglich. Manche Sachwerte wie beispielsweise Sammlergegenstände sind hochspekulativ.
  • Kaufen Anleger*innen eine Immobilie oder beteiligen sie sich über Fonds an großen Sachwerten, ist häufig eine Fremdfinanzierung im Spiel. Diese muss häufig mit dem Sachwert besichert werden, der dann bei Liquiditätsproblemen verwertet werden kann. Das kann zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals führen.
  • Die Märkte für Sachwerte sind teilweise sehr intransparent. Privatanleger*innen ohne umfangreiches Expertenwissen können deshalb nicht einfach einschätzen und vergleichen, was ein „fairer“ Preis ist und welche Qualität ein Sachwert hat. So können sie beispielsweise eine Immobilie zu einem unrentablen Preis ankaufen oder auf einen gefälschten Sammlergegenstand hereinfallen.
  • Da Sachwerte physisch vorhanden sind, können sie verloren gehen oder beschädigt werden. Wohnungen können einen Wasserschaden erleiden, Goldbarren können gestohlen werden, Plantagen können einem Wirbelsturm zum Opfer fallen. Wenn keine Versicherung den Schaden kompensiert, können Anleger Verluste erleiden.
  • Politische Entscheidungen können zu Einschränkungen bei der Verwaltung und Veräußerung der eigenen Sachwerte führen und so die Rendite gefährden. Ein Beispiel ist der Mietendeckel, der in Berlin eingeführt werden soll. Als Extrembeispiel kann die Enteignung privater Goldbestände genannt werden, die im Jahr 1933 in den USA stattfand.


Woran können sich Anleger bei einer Investition in Sachwerte orientieren?

Ein Investment in einen Sachwert muss immer fallspezifisch bewertet werden, denn bei fast allen Sachwerten gibt es attraktive und fragwürdige Angebote.


Es gibt jedoch einige Fragen, an denen Sie sich generell bei Ihrer Entscheidung orientieren können:


  • Verstehen Sie das Geschäftsmodell und haben Sie eine Vorstellung davon, was seine Chancen und Risiken sind? Führen Sie sich hierbei vor Augen, dass es auf jeden Fall auch Risiken gibt. Wenn Sie diese nicht einschätzen können, muss das nicht gegen die Qualität der Anlage sprechen; es ist jedoch ein Signal, dass Sie Experten hinzuziehen sollten.
  • Gibt es eine nachvollziehbare Prognose mit Kosten- und Einnahmenrechnung, auf deren Basis die geplante Rendite ausgewiesen wird?
  • Welche Nebenkosten gibt es? Beim Erwerb und der Veräußerung von Sachwerten kommen fast immer Kosten hinzu, seien es Steuern, Transaktionsgebühren, Versicherungs- oder Instandhaltungskosten. Idealerweise sollte transparent sein, wie viel Geld in das Investitionsobjekt fließt und wie hoch die einmaligen sowie laufenden Kosten sind. Basierend darauf können Sie berechnen, wie viel Rendite das Investitionsobjekt pro Jahr erwirtschaften muss, um die Kosten zu amortisieren.


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