Was sind Hochzinsanleihen? Die Chancen und Risiken

ARTIKEL 17.06.2020

„Hochzinsanleihen“ rücken in regelmäßigen Abständen in den Fokus der Fachpresse und werden manchmal sogar als Alternative zu Aktien beworben. Was hat es mit ihnen auf sich, und warum werden sie so attraktiv verzinst?


Was sind Anleihen?

Anleihen sind Wertpapiere, die einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber einem Unternehmen, einem Staat, einer Stadt oder einer Gemeinde repräsentieren.


Der Käufer einer Anleihe gewährt dem Emittenten einen Kredit und erhält dafür das Recht auf Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des „Nennwertes“ oder „Nominalwertes“ am Ende der Laufzeit.


Der Emittent bezahlt für seine Anleihe jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich einen vorher festgelegten Zinssatz (sog. Kupon). Im Gegensatz zu Dividenden müssen die Zinsen unabhängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens in voller Höhe bezahlt werden.


Anleiheinvestoren haben keinerlei Teilhaberrechte, werden aber bei Konkurs des Unternehmens vor den Aktionären aus der Insolvenzmasse bedient.


Was zeichnet Hochzinsanleihen aus?

Meist wird der Begriff „Hochzinsanleihen“ für Anleihen verwendet, deren Emittenten ein schlechtes Bonitätsrating erhalten haben. Rating-Agenturen sehen also ein hohes Risiko, dass der Emittent zahlungsunfähig wird und die Anleihe nicht zurückzahlen kann.


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Die Ausfallwahrscheinlichkeit von Hochzinsanleihen wird als so hoch eingeschätzt, dass sie nicht mehr in die Kategorie „Investment Grade“ fallen. Das bedeutet, dass viele institutionelle Investoren sie nicht kaufen dürfen. Sie sind zu einem gewissen Grad spekulativ, denn eine ganze Reihe von Faktoren könnte dazu führen, dass eine Hochzinsanleihe ausfällt. Man spricht deshalb auch von „Schrottanleihen“ (engl.: „junk bonds“).


Um trotzdem Geldgeber zu finden, muss der Emittent einer Hochzinsanleihe eine Risikoprämie in Aussicht stellen. Der Zinskoupon von Hochzinsanleihen geht deshalb deutlich über das marktübliche Niveau hinaus.


Die meisten Hochzinsanleihen werden von Unternehmen emittiert. Sie können jedoch auch von Staaten stammen, die wirtschaftsschwach und hoch verschuldet sind.


Wie kauft man Hochzins-Anleihen?

Anleihen werden meist nicht komplett, sondern in verschieden großen Anteilen ausgegeben. Während einer begrenzten „Emissionsfrist“ können private und/oder institutionelle Investoren die Anteile zum Ausgabepreis erwerben. Meist ist das der Nominalwert, den Anleger am Ende der Laufzeit zurückerhalten. Für den Kauf benötigen Anleger in der Regel ein Wertpapierdepot und einen Broker, z.B. eine Bank oder einen der zahlreichen Online-Anbieter.


Ein Teil der Anleihen ist „börsennotiert“, was bedeutet: Ist die Anleihe ausplatziert, können die Anteile an der Börse gehandelt werden.


Die Börsenpreise werden von Angebot und Nachfrage bestimmt, so dass ein Verkäufer je nach Situation mit Gewinnen oder Abschlägen auf den Nennwert rechnen kann. Zwei Faktoren, die den Anleihewert stark beeinflussen, sind das prognostizierte Ausfallrisiko eines Emittenten und das allgemeine Zinsniveau.


Der Börsenwert von Hochzinsanleihen schwankt tendenziell stärker als der von „regulären“ Anleihen, weil die Emittenten instabil sind. Verschlechtert sich die allgemeine Wirtschaftslage, steigt ihre Insolvenzwahrscheinlichkeit oft überproportional. Viele Investoren wollen oder müssen Hochzinsanleihen dann mit Abschlag veräußern, um das Risikolevel ihres Portfolios zu stabilisieren.


Welche Renditechancen bieten Hochzinsanleihen?

Was als „hoher Zins“ gilt, hängt vom allgemeinen Zinsniveau ab. Hier gab es im Laufe der Zeit deutliche Unterschiede. Aktuell bewegen sich die Ausschüttungen der meisten Hochzinsanleihen-ETFs zwischen 4 und 7 % Zinsen? p.a.. Im Jahr 2019 wurden vereinzelt jedoch sogar „riskante“ Anleihen mit negativer Rendite gehandelt.


Anleger sollten sich jedoch nicht von den hohen Zinsen verführen lassen, sondern im Blick behalten, dass sie die Prämie für ein hohes Ausfallrisiko sind.


Nicht nur durch die Zinsen, sondern auch durch den Börsenhandel von Hochzinsanleihen vor ihrer Fälligkeit lassen sich Gewinne (oder Verluste) erzielen. Durch die höhere Volatilität als bei Anleihen mit guter Bonität sind hierbei größere Gewinne möglich, aber auch das Risiko von Verlusten (z.B. durch die Insolvenz des Emittenten) ist größer.


Chancen und Risiken


Chancen

  • Hochzinsanleihen bieten vergleichsweise hohe Renditechancen.
  • Die meisten Hochzinsanleihen bieten Zinsen über dem Inflationsniveau, was bei bonitätsstarken Anleihen oft nicht der Fall ist.
  • Solange die Emittenten solvent sind, müssen Sie die festgelegten Zins- und Tilgungszahlungen leisten.
  • Ein Portfolio von Hochzinsanleihen kann über viele Länder und Sektoren gestreut werden.


Risiken

  • Hochzinsanleihen haben im Vergleich zu anderen Anleihen ein hohes Ausfallrisiko.
  • Die Emittenten sind vergleichsweise instabil, was in wirtschaftlich schwachen Zeiten und Krisen zu Problemen führen kann.
  • Weil viele Faktoren die Bonität des Emittenten gefährden können, sind Hochzinsanleihen zu einem bestimmen grad spekulativ und schwer einzuschätzen.


Corona-Krise 2020: Welche Folgen sind für Hochzinsanleihen zu erwarten?

Zu Beginn der Krise beobachteten viele Experten eine Flucht in „sichere Investments“. Das führte zu einer Erschütterung auf dem Markt für Hochzinsanleihen. Der Börsenwert vieler Hochzinsanleihen sank, Neuemissionen waren kaum möglich. Gleichzeitig wurden viele Schuldner von einem mittleren Bonitätsniveau auf „Schrottniveau“ herabgestuft.


Rating-Agenturen rechnen damit, dass sich die Ausfallrate von Hochzinsanleihen merklich erhöhen wird. So prognostiziert Standard & Poor’s, dass die zwölfmonatige Ausfallrate von Hochzinsanleihen aus den USA von 3,1 % (Dezember 2019) auf 10 % ansteigen wird (Stand: März 2020).


Gleichzeitig weisen manche Experten darauf hin, dass bei den Börsenkursen von Hochzinsanleihen schnell sehr pessimistische Erwartungen eingepreist wurden. Gleichzeitig versuchen viele Staaten, die wirtschaftlichen Folgen von Covid-19 mit Hilfspaketen abzufedern.


Die aktuelle Situation könnte mutigen und sachkundigen Anlegern also hohe Renditechancen bieten, die jedoch mit einem hohen Risiko verbunden sind.


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