Genossenschaftsanteile als Geldanlage: Chancen und Risiken

ARTIKEL 28.03.2019

„Wohnungsgenossenschaften sind Renditebringer“, „Genossenschaften sind kein Renditemodell“. Immer wieder diskutiert die Finanzpresse kontrovers, ob sich Genossenschaften als Geldanlage eignen. Wir fassen zusammen: Wie funktionieren Genossenschaften und was sind ihre Vor- und Nachteile für Kapitalanleger?


Was sind Genossenschaften?

Genossenschaften sind freiwillige Vereinigungen von Personen, welche die gemeinsamen Interessen der Mitglieder fördern sollen.


Sie sind lose Zusammenschlüsse, welche nur mit wenigen Verpflichtungen einhergehen. Die Gründung einer Genossenschaft bietet sich an, wenn Einzelne ein wirtschaftliches Ziel nur gemeinsam erreichen können und dabei aber möglichst unabhängig voneinander bleiben möchten.


Beispiele für gemeinsame Interessen, welche häufig mit Genossenschaften verfolgt werden, sind:


  • Kostenvorteile durch gemeinsame Bestellungen von Gütern (z.B. durch Einkaufs-Genossenschaften für Landwirte)
  • Gemeinsame Anschaffung und Nutzung kostenintensiver Güter (z.B. durch Wohnungsgenossenschaften)
  • Die Förderung kultureller Belange (z.B. durch Theatergenossenschaften)
  • o Die Förderung ökologischer Belange (z.B. durch Energiegenossenschaften, welche gemeinsam einen Windpark errichten)


Die Mitglieder stellen Kapital zur Verfügung und erhalten dafür ein Mitbestimmungsrecht bei allen wichtigen Entscheidungen zur Ausrichtung und Geschäftszweck der Genossenschaft. In jährlichen General- oder Vertreterversammlungen wird ein Aufsichtsrat gewählt, welcher den Vorstand der Genossenschaft beaufsichtigt.


Aus den Gewinnen der Genossenschaft kann eine jährliche Dividende ausgezahlt werden, welche Mitglieder anteilig für ihre Genossenschaftsanteile erhalten. Wie bei Aktien ist die Dividende nicht garantiert.


Wenn Genossenschaften als Geldanlage diskutiert werden, stehen meist Baugenossenschaften und Genossenschaftsbanken im Vordergrund.


Hinweis

Genossenschaften sollen keine Geldanlage sein

Alle Genossenschaften verstehen sich selbst als solidarische Form der Selbsthilfe und nicht als Geldanlage. Die Förderung sozialer, kultureller oder ökologischer Belange soll höher priorisiert werden als die Gewinnerzielungsabsicht. „Renditejäger“ werden von vielen Genossenschaften nicht gern gesehen, weshalb es teilweise regionale Zugangsbegrenzungen für Mitglieder gibt.


Heute gibt es rund 7.600 Genossenschaften mit insgesamt mehr als Millionen Mitgliedern in Deutschland.


Bekannte Beispiele, welche meist gar nicht als Genossenschaften wahrgenommen werden, sind die Einzelhandelsgenossenschaften Edeka und Rewe, die Volks- und Raiffeisenbanken sowie „die tageszeitung“ (taz).


Wie viel kosten Genossenschaftsanteile?

Die Kosten für Anteile variieren von Genossenschaft zu Genossenschaft und können von niedrigen zwei- bis zu vierstelligen Eurobeträgen reichen.


Dazu können noch Nebenkosten kommen, wie beispielsweise:


  • Nicht rückzahlbare Eintrittsgelder
  • Gebühren für die Schließung des Mitgliedskontos


Die Aufnahme von Mitgliedern kann an weitere Bedingungen geknüpft sein, wie beispielsweise:


  • Manche Baugenossenschaften nehmen nur lokale Mitglieder oder nur die Mieter ihrer eigenen Objekte auf.
  • Mitglieder vieler Bankgenossenschaften müssen im Geschäftsbereich wohnen und bei der Bank ein Konto eröffnen.
  • Landwirtschaftsgenossenschaften nehmen nur landwirtschaftliche Betriebe auf.


Welche Renditen bringen Genossenschaftsanteile?

Viele Baugenossenschaften und Genossenschaftsbanken zahlten ihren Mitgliedern in den letzten Jahren 2-5 % p.a. auf die Summe ihrer Genossenschaftsanteile.


Außerdem geben Genossenschaften Anlegern die Möglichkeit, soziale und ökologische Ziele zu verfolgen. Beispielweise können sie Anteilseigener der GLS Bank werden und so die Kreditvergabe für nachhaltige Projekte und Unternehmen fördern.


Wie können Anleger sich an Genossenschaften beteiligen?

Um an einer Genossenschaft teilzuhaben, müssen Anleger einen Mitgliedsantrag einreichen und einen oder mehrere Anteile zeichnen.


Für die Zahlung des Anteilspreises stehen häufig zur Verfügung.


Die Anzahl der Anteile, die ein einzelner Anleger zeichnen kann, ist meist begrenzt, um die demokratische Natur von Genossenschaften nicht zu gefährden.


Welche Laufzeiten gibt es bei Genossenschaftsanteilen?

Genossenschaftsmitgliedschaften haben Kündigungsfristen, die von drei Monaten bis zu mehreren Jahren reichen können.


Sind alle Genossenschaften seriös?

Genossenschaften haben generell ein gutes Renommee und eine sehr niedrige Insolvenzquote (laut einer Analyse der Gesellschaft Creditreform lag die Insolvenzquote von Genossenschaften im ersten Halbjahr 2018 bei 0,1 %).


Trotzdem warnen der deutsche Genossenschaftsverband und die Stiftung Warentest vor unseriösen Trittbrettfahrern, welche meist Kapitalanleger im Visier haben.


Um vertrauenswürdige Genossenschaften zu erkennen, gibt der deutsche Genossenschaftsverband sieben Kriterien an:


  • Die Satzung der Genossenschaft wird Beitrittswilligen zur Verfügung gestellt.
  • Die Mitglieder erhalten Daten, Zahlen, Fakten zum Geschäftsverlauf.
  • Genossenschaftsanteile dienen nicht der Geldanlage (d.h. werden nicht primär als Anlage beworben).
  • Hohe Renditeversprechen sind ein Warnsignal.
  • Die Genossenschaft erklärt genau, wie sie
  • Mitglieder- und Vertreterversammlungen finden regelmäßig statt.
  • Die Wirtschaftlichkeit wird regelmäßig geprüft.


Wo gibt es Vergleiche von Genossenschaften?

Es gibt keinen übergreifenden Vergleich aller Genossenschaften. Um eine passende Genossenschaft zu finden, ist deshalb etwas Recherchearbeit notwendig. Folgende Listen können dabei hilfreich sein:



Was ist das maximale Risiko für Anleger?

Genossenschaftsanteile unterliegen generell keiner Einlagensicherung (Ausnahme sind einige Wohnungsgenossenschaften, welche explizit Sparprodukte anbieten. Hier haftet der Selbsthilfefonds des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen).


Anteilseigner tragen das volle Geschäftsrisiko und können im Falle einer Insolvenz der Genossenschaft ihr Kapital verlieren.


Hinweis

Achtung: Mögliche Nachschusspflichten

Laut Genossenschaftsgesetzt gibt es Nachschusspflichten für Mitglieder, wenn im Falle einer Insolvenz nicht genügend Insolvenzmasse vorhanden ist, um die Gläubiger zu befrieden. Um das zu verhindern, müssen Genossenschaften eine Nachschusspflicht in ihrer Satzung ganz oder teilweise ausschließen.


Es kann zu dem der Fall sein, dass Mitglieder nicht nur mit eingezahlten Kapital, sondern mit der vollen vereinbarten Summe der Genossenschaftsanteile haften. Wenn Ratenzahlungen für die Anteile festgelegt wurden, müssen Anleger diese dann weiterhin leisten, wenn die Genossenschaft insolvent ist.


Genossenschaftsanteile sind also prinzipiell kein Sparprodukt, sondern unternehmerische Beteiligungen mit entsprechenden Verlustrisiken.


Zusammenfassung: Das Chancen-Risiko-Profil


Chancen

  • In der Regel bieten Genossenschaften höhere Renditen als klassische Sparprodukte.
  • Über Genossenschaften lassen sich soziale oder ökologische Belange fördern.
  • • Eine Beteiligung ist meist mit wenigen hundert Euros möglich.


Risken

  • Es gibt keine Einlagensicherung. Geht eine Genossenschaft insolvent, droht der Totalverlust.
  • Im Gegensatz zu anderen Investmentvehikeln wie Aktiengesellschaften und geschlossenen Beteiligungen steht die Förderung sozialer oder kultureller Belange vor der Gewinnerzielungsabsicht.
  • Je nach Satzung kann es Nachschusspflichten geben, wenn eine Genossenschaft in Schieflage gerät.


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