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Was sind Anleihen? Die Chancen und Risiken

ARTIKEL 06.07.2018

Neben Aktien und Bankprodukten sind Anleihen eine weit verbreitete Anlageform für Privatinvestoren. In was investieren Anleiheninhaber genau und welches Chancen-Risiko-Profil besitzt das Anlagevehikel? Wir haben die wichtigsten Informationen für Anleger verständlich zusammengefasst.


Anleihen sind Wertpapiere, die einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber einem Unternehmen, einem Staat, einer Stadt oder einer Gemeinde repräsentieren.


Der Käufer einer Anleihe gewährt dem Emittenten einen Kredit und erhält dafür das Recht auf Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des „Nennwertes“ oder „Nominalwertes“ am Ende der Laufzeit.


Der Nennwert ist häufig der Ausgabepreis, doch in Sonderfällen können Anleihen über oder unter dem Nennwert ausgegeben werden.


Der Emittent bezahlt für seine Anleihe jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich einen vorher festgelegten Zinssatz (sog. Kupon). Im Gegensatz zu Dividenden ist die Höhe der Verzinsung unabhängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens.


Anleiheninhaber haben keinerlei Teilhaberrechte, werden aber bei Konkurs des Unternehmens vor den Aktionären aus der Insolvenzmasse bedient.


Wie werden Anleihen gehandelt?

Anleihen werden meist nicht komplett, sondern in verschieden großen Anteilen ausgeben. Während einer begrenzten „Emissionsfrist“ können private und/oder institutionelle Investoren die Anteile zum Ausgabepreis (meist ist das der Nominalwert) erwerben.


Ist die Anleihe ausplatziert, können die Anleihe an der Börse gehandelt werden. Die Preise dort werden von Angebot und Nachfrage bestimmt, so dass ein Verkäufer je nach Situation mit Gewinnen oder Abschlägen auf den Nennwert rechnen kann.


Kauft ein Anleger eine Anleihe nicht am Zinszahlungstermin, muss er meist „Stückzinsen“ an den Verkäufer bezahlen. Dabei handelt es sich um die Zinsansprüche, die seit dem letzten Zinszahlungstermin aufgelaufen sind. Dafür erhält der Käufer beim nächsten Zinszahlungstermin die volle Zinszahlung.


Bei bestimmten Brokern können Anleger Anleihen in Fremdwährungen kaufen und verkaufen. Dann gehen sie zusätzlich ein Wechselkursrisiko ein. Verliert die Währung der Anleihe gegenüber der eigenen Währung an Wert, sinken auch die Zins- und Rückzahlungssummen, die die Anleiheninhaber nach der Währungsumrechnung erhalten.


Laufzeiten

Unternehmensanleihen haben in der Regel Laufzeiten zwischen 3 und 7 Jahren. Staatanleihen laufen meist zwischen sechs Monaten und dreißig Jahren, vereinzelt wurden sogar hundertjährige Staatsanleihen ausgegeben.


Mindestanlage

Die Mindestanlagesumme hängt von der einzelnen Anleihe ab. Jede Anleihe besitzt eine „Mindeststückelung“ (Nominal), das heißt einen kleinstmöglichen Anteil, den ein Käufer erwerben kann. Das können beispielsweise 1.000 €, 10.000 €, 50.000 € oder 100.000 € sein.


Welches Zinsniveau bieten Anleihen?

Die meisten Anleihen besitzen einen festen Zinssatz (Kupon), der vor der Emission festgelegt wird. Ausschlaggebend ist das vom Markt angenommene Risiko, es spielen jedoch auch andere Faktoren wie das Besicherungsniveau der Anleihe und das allgemeine Leitzinsniveau eine Rolle.


Beispielsweise gelten deutsche Staatsanleihen als besonders sicher und werden deshalb relativ niedrig verzinst. Der Zinssatz für eine zehnjährige deutsche Staatsanleihe betrug 2017 0,25 % p.a., 2016 gab der deutsche Staat eine zehnjährige Anleihe mit einem Zinssatz von 0 % p.a. heraus.


Anleihen von bonitätsschwächeren und/oder weniger etablierten Schuldnern bieten höhere Zinsen, potenziell aber auch ein gesteigertes Ausfallrisiko (Experten sprechen von „High Yield-Anleihen“).


Aktuell besitzt jedes europäische Land einen eigenen Einlagensicherungsfonds für lokale Banken. Diese werden aus Zahlungen der Banken des jeweiligen Landes schrittweise aufgefüllt.


Wie berechnet man die Rendite einer Anleihe?

Bei einem Kauf von Anleihen an der Börse gilt: Der Zinssatz entspricht nicht unbedingt der Rendite. Der Börsenpreis einer Anleihe wird von Angebot und Nachfrage bestimmt und kann vom Nennwert abweichen.


Bei regulären Anleihen gilt: Wird die Anleihe über dem Nennwert gekauft, sinkt die jährliche Rendite unter den Zinssatz; wird die Anleihe unter dem Nennwert gekauft, steigt die Rendite.


Ein Beispiel: Kauft ein Anleger eine Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit, 4 % Verzinsung p.a. und einem Nennwert von 1000 € für 1050 €, geht die Differenz von seinem Gewinn ab.


Am Ende erhält er den Nennwert von 1000 € und insgesamt 80 € Zinsen, macht also 30 € Gewinn. Seine Rendite beträgt insgesamt 2,86 % oder 1,43 % p.a. und ist damit niedriger als die Verzinsung.


Kosten

Bei einer Anleihe können mehrere Kostenpunkte anfallen:


  • Börsengehandelte Anleihen können nur mit einem Wertpapierdepot gekauft werden, für welches möglicherweise Verwaltungskosten anfallen
  • Wird eine Anleihe an der Börse gekauft oder verkauft, fallen in der Regel Handelskosten an.
  • In seltenen Fällen werden Anleihen über dem Nennwert emittiert. In diesem Fall zahlt der Erstkäufer effektiv einen Ausgabeaufschlag.


Exkurs: Exotische Anleihen-Varianten

Nicht alle Anleihen sind gleich konstruiert. Folgende Anleihentypen funktionieren nach eigenen Prinzipien und besitzen daher ein anderes Chancen-Risiko-Profil als reguläre Anleihen:


Wandelanleihen können während einer festgelegten Frist in einem festgesetzten Verhältnis in Aktien umgetauscht werden. In der Regel liegt die Entscheidung beim Anleiheninhaber, in manchen Fällen jedoch beim Unternehmen (bei sogenannten „umgekehrten Wandelanleihen“). Wandelanleihen besitzen meist eine niedrigere Verzinsung als reguläre Anleihen und bieten ihren Inhabern dafür die Chance, bei einem steigenden Aktienkurs des Unternehmens mitzuprofitieren.


Contingent Convertible Bonds (CoCo Bonds) werden beim Eintreten von festgelegten „Auslöserereignissen“ automatisch in Aktien umgewandelt. Der Auslöser kann beispielsweise sein, dass der Aktienkurs oder die Eigenkapitalquote des Unternehmens einen bestimmten Wert unterschreiten. Auch wenn dieses Ereignis nicht eintritt, können die Zins-oder Rückzahlungen im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage ausgesetzt werden.


Contingent Convertible Bonds sind ein sehr komplexes Produkt und bringen kaum kalkulierbare Risiken mit sich, weshalb die Finanzaufsicht BaFin Privatanleger vor ihnen warnt.


Hybridanleihen (nachrangige Anleihen) sind Fremdkapital mit eigenkapitalähnlichen Eigenschaften, was dem Emittenten beispielsweise bilanzielle Vorteile bringen kann. Die Inhaber werden im Insolvenzfall nach den Inhabern von regulären Anleihen und anderen Fremdkapitalgebern, aber vor den Aktionären bedient. Eventuell können auch Zinszahlungen ausgesetzt werden, wenn das Unternehmen sich in wirtschaftlicher Schieflage befindet. Hybridanleihen gehen mit einem höheren Risiko als reguläre Anleihen einher und werden dafür besser verzinst.


Zerobonds (Null-Kupon-Anleihen) werden nicht laufend verzinst. Sie werden häufig unter dem Nennwert ausgegeben, sodass der Inhaber bei der Rückzahlung des Nennwertes eine Rendite erzielt. Diese Form der Anleihe bietet zusätzliche Planbarkeit, wenn der Anleger sie bis zu Ende halten will. Bei einem vorzeitigen Verkauf können sie mit Verlusten einhergehen. Die endfällige Rendite bringt den Vorteil, dass Inhaber sich regelmäßig nicht um die Wiederanlage der Zinsen kümmern müssen – sie kann jedoch auch den Steuerfreibetrag überschreiten.


Floating Rate Notes (Floater) haben einen variablen Zinssatz, der zu festgelegten Zeitpunkten an einen festgelegten Referenzindex angepasst wird (beispielsweise EURIBOR oder LIBOR).


Eine Bindung an den Verbraucherpreisindex kann inflationsbedingten Kaufkraftverlusten entgegenwirken. Mit einer Bindung an einen Leitzinssatz können Anleger auf ein steigendes Zinsniveau spekulieren. Bewegt dieses sich unerwartet nach unten, sinkt auch die Verzinsung der Anleihe.


Wie können Anleger zwischen verfügbaren Anleihen vergleichen?

Online-Portale bieten die Möglichkeit, verschiedene Kennzahlen zu Anleihen abzurufen:



Eine Möglichkeit, mehr über das Risiko einer Anleihe zu erfahren, sind „Ratings“.


Ratingagenturen bewerten die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anleihe auf Basis von statistischen Modellen. Die Agenturen verwenden leicht unterschiedliche Skalen, die jedoch meist von AAA (höchste Bonität) bis D (Zahlungsausfall bereits eingetreten) reichen.


Ratings spielen für institutionelle Investoren eine große Rolle, weil diese häufig nur in Anleihen mit bestimmten Ratingklassen investieren dürfen. Meist sind die Ergebnisse auch für Privatinvestoren zugänglich.


Beim Vergleich gilt: Auch erstklassige Ratings bedeuten keine absolute Ausfallsicherheit. Es besteht ein bestimmtes Maß an Prognoseunsicherheit und es können Interessenkonflikte bei der Bewertung auftreten, da meist der Emittent der Anleihe das Rating bezahlt.


Zusammenfassung: Das Chancen-Risiko-Profil


Chancen

  • Börsennotierte Anleihen sind börsentäglich veräußerbar
  • Anders als Dividenden sind Anleihezinsen nicht vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängig
  • Anleiheninhaber werden in der Regel vor Aktionären bedient, wenn ein Unternehmen in Konkurs geht


Risken

  • Anleihenzinsen schlagen teilweise die Inflation nicht. Investoren erleiden mit niedrig verzinsten Anleihen effektiv Kaufkraftverluste.
  • Bei Fremdwährungsanleihen besteht ein Wechselkursrisiko. Verliert die Währung der Anleihe gegenüber der eigenen Währung an Wert, machen Anleger dadurch Verluste
  • Bei Insolvenz des Emittenten besteht das Risiko eines teilweisen oder kompletten Verlustes des eingesetzten Vermögens


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