Was sind Anleihen? Die Chancen und Risiken

ARTIKEL 13.01.2021

Neben Aktien und Bankprodukten sind Anleihen eine weit verbreitete Anlageform für Privatinvestor*innen. In was investieren Anleiheninhaber*innen genau und welches Chancen-Risiko-Profil besitzt das Anlagevehikel? Wir haben die wichtigsten Informationen verständlich zusammengefasst. Dabei sollen auch die Folgen der Corona-Krise für den Anleihenmarkt beleuchtet werden.


Anleihen sind Wertpapiere, die einen schuldrechtlichen Anspruch gegenüber einem Unternehmen, einem Staat, einer Stadt oder einer Gemeinde repräsentieren.



Der Käufer*innen einer Anleihe gewährt dem Emittenten einen Kredit und erhält dafür das Recht auf Zinszahlungen sowie die Rückzahlung des „Nennwertes“ oder „Nominalwertes“ am Ende der Laufzeit.


Der Nennwert ist häufig der Ausgabepreis, doch in Sonderfällen können Anleihen über oder unter dem Nennwert ausgegeben werden.


Der Emittent bezahlt für seine Anleihe jährlich, halbjährlich oder vierteljährlich einen vorher festgelegten Zinssatz (sog. Kupon). Im Gegensatz zu Dividenden ist die Höhe der Verzinsung unabhängig von der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens.


Anleiheninhaber*innen haben keinerlei Teilhaberrechte am Unternehmen, werden aber bei einem Konkurs vor den Aktionär*innen aus der Insolvenzmasse bedient.


Wie kauft man Anleihen?

Anleihen werden meist nicht komplett, sondern in verschieden großen Anteilen veräußert. Während einer begrenzten „Emissionsfrist“ können private und/oder institutionelle Investoren die Anteile zum Ausgabepreis (meist ist das der Nominalwert) erwerben.


Ist die Anleihe ausplatziert, können die Anteile an der Börse gehandelt werden. Die Preise dort werden von Angebot und Nachfrage bestimmt, so dass Verkäufer*innen je nach Situation mit Gewinnen oder Abschlägen auf den Nennwert rechnen müssen.


Kaufen Anleger*innen eine Anleihe nicht am Zinszahlungstermin, müssen sie meist „Stückzinsen“ an die Verkäufer*innen bezahlen. Dabei handelt es sich um die Zinsansprüche, die seit dem letzten Zinszahlungstermin aufgelaufen sind. Dafür erhalten Käufer*innen beim nächsten Zinszahlungstermin die volle Zinszahlung.


Bei bestimmten Brokern können Anleger*innen Anleihen in Fremdwährungen kaufen und verkaufen. Dann gehen sie zusätzlich ein Wechselkursrisiko ein. Verliert die Währung der Anleihe gegenüber der eigenen Währung an Wert, sinken auch die Zins- und Rückzahlungssummen, die die Anleiheninhaber*innen nach der Währungsumrechnung erhalten. Andererseits haben sie auch die Chance auf zusätzliche Gewinne, wenn ihre eigene Währung einbricht.


Anleihen, die an Kleinanleger*innen verkauft werden können, gehen mit besonders strengen Transparenz- und Aufklärungspflichten einher. Viele Unternehmen möchten sich diesen Aufwand ersparen und emittieren Anleihen mit sechsstelligen Mindestsummen. Um mit wenig Geld Zugang zu diesen Produkten zu bekommen, können Kleinanleger*innen Rentenfonds nutzen.


Laufzeiten

Unternehmensanleihen haben in der Regel Laufzeiten zwischen drei und sieben Jahren. Staatsanleihen laufen meist zwischen sechs Monaten und dreißig Jahren, vereinzelt wurden sogar hundertjährige Staatsanleihen ausgegeben.



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Mindestanlage

Die Mindestanlagesumme hängt von der einzelnen Anleihe ab. Jede Anleihe besitzt eine „Mindeststückelung“ (Nominal), das heißt einen kleinstmöglichen Anteil, den Käufer*innen erwerben können. Das können beispielsweise 1.000 €, 10.000 €, 50.000 € oder 100.000 € sein.


Welches Zinsniveau bieten Anleihen?

Die meisten Anleihen besitzen einen festen Zinssatz (Kupon), der vor der Emission festgelegt wird. Ausschlaggebend ist das vom Markt angenommene Ausfallrisiko des Emittenten, es spielen jedoch auch andere Faktoren wie das Besicherungsniveau der Anleihe und das allgemeine Leitzinsniveau eine Rolle.


Beispielsweise gelten deutsche Staatsanleihen als besonders sicher und werden deshalb relativ niedrig verzinst. Der Zinssatz für eine zehnjährige deutsche Staatsanleihe betrug 2017 0,25 % p.a., 2020 lag der Zinssatz für alle neu aufgelegten Staatsanleihen bei 0,0 %. Da bonitätsstarke Anleihen an der Börse oft unter dem Nennwert gehandelt werden, müssen Anleger*innen potenziell sogar negative Renditen hinnehmen.


Anleihen von bonitätsschwächeren und/oder weniger etablierten Emittenten bieten höhere Zinsen, potenziell aber auch ein gesteigertes Ausfallrisiko (Expert*innen sprechen von „High Yield-Anleihen“ oder „Hochzinsanleihen“).


Wie berechnet man die Rendite einer Anleihe?

Bei einem Kauf von Anleihen an der Börse gilt: Der Zinssatz entspricht nicht unbedingt der Rendite. Der Börsenpreis einer Anleihe wird von Angebot und Nachfrage bestimmt und kann vom Nennwert abweichen.


Bei regulären Anleihen gilt: Wird die Anleihe über dem Nennwert gekauft, sinkt die jährliche Rendite unter den Zinssatz; wird die Anleihe unter dem Nennwert gekauft, steigt die Rendite.


Ein Beispiel: Kaufen Anleger*innen eine Anleihe mit zwei Jahren Restlaufzeit, 4 % Verzinsung p.a. und einem Nennwert von 1000 € für 1050 €, geht die Differenz von ihrem Gewinn ab.


Am Ende erhalten sie den Nennwert von 1000 € und insgesamt 80 € Zinsen, was 30 € Gewinn entspricht. Ihre Rendite beträgt insgesamt 2,86 % oder 1,43 % p.a. und ist damit niedriger als die Verzinsung.


Corona-Krise 2020/2021: Welche Folgen hatte sie für Anleihen?

Zu Anfang der Krise fielen die Kurse vieler Aktien und Anleihen.Der Grund war die Furcht davor, dass durch die Lockdown-Maßnahmen Einnahmeausfälle und Insolvenzen in der Wirtschaft zunehmen könnten. Insbesondere „Hochzinsanleihen“, die generell instabil sind, verloren deutlich an Wert.


Die Situation entspannte sich als die EZB beschloß, das das Notankaufsprogramm für Staats- und Unternehmensanleihen um rund 500 Milliarden Euro auszuweiten. Dadurch stieg das Vertrauen in die Sicherheit von Anleihen, sodass die Nachfrage zunahm und die erzielbaren Renditen wieder sanken.


Trotzdem ist wenig umstritten, dass der Druck auf viele Unternehmen gestiegen ist und Staatshilfen die Folgen der „Corona-Krise“ nicht komplett kompensieren konnten. Zwar haben sich die Insolvenzzahlen in vielen Ländern noch nicht deutlich erhöht (Stand 01/2021), doch wird vor einer drohenden Insolvenzwelle gewarnt.


In Deutschland meldeten 2020 rund 17.000 Unternehmen Insolvenz an, was rund 9 Prozent weniger sind als im Vorjahr. Der Informationsdienst der deutschen Wirtschaft rechnet jedoch damit, dass durch die Aussetzung der Insolvenzpflicht rund 4.500 „Zombieunternehmen“ entstanden sind, die wirtschaftlich nicht überlebensfähig sind.


Auch in den USA wurden weniger Unternehmen liquidiert, doch wurden bereits deutlich mehr geordnete Reorganisationen infolge einer Insolvenzsituation angemeldet. Die Kreditversicherung Coface warnt davor, dass 2021 viele davon in Bankrotte umschlagen könnten.


Anleger*innen gehen mit Unternehmensanleihen derzeit also höhere Risiken ein; wie groß diese sind, ist noch nicht klar. Es gilt einmal mehr das Gesetz, dass eine breite Risikostreuung wichtig für den Anlageerfolg ist.


Kosten

Bei einer Anleihe können mehrere Kostenpunkte anfallen:


  • Börsengehandelte Anleihen können nur mit einem Wertpapierdepot gekauft werden, für welches möglicherweise Verwaltungskosten anfallen
  • Wird eine Anleihe an der Börse gekauft oder verkauft, fallen in der Regel Handelskosten an.
  • In seltenen Fällen werden Anleihen über dem Nennwert emittiert. In diesem Fall zahlen Erstkäufer*innen effektiv einen Ausgabeaufschlag.


Exkurs: Exotische Anleihen-Varianten

Nicht alle Anleihen sind gleich konstruiert. Folgende Anleihentypen funktionieren nach eigenen Prinzipien und besitzen daher ein anderes Chancen-Risiko-Profil als reguläre Anleihen:


Wandelanleihen können während einer festgelegten Frist in einem festgesetzten Verhältnis in Aktien umgetauscht werden. In der Regel liegt die Entscheidung beim Anleiheninhaber, in manchen Fällen jedoch beim Unternehmen (bei sogenannten „umgekehrten Wandelanleihen“). Wandelanleihen besitzen meist eine niedrigere Verzinsung als reguläre Anleihen und bieten ihren Inhabern dafür die Chance, bei einem steigenden Aktienkurs des Unternehmens mitzuprofitieren.


Contingent Convertible Bonds (CoCo Bonds) werden beim Eintreten von festgelegten „Auslöserereignissen“ automatisch in Aktien umgewandelt. Der Auslöser kann beispielsweise sein, dass der Aktienkurs oder die Eigenkapitalquote des Unternehmens einen bestimmten Wert unterschreiten. Auch wenn dieses Ereignis nicht eintritt, können die Zins-oder Rückzahlungen im Falle einer wirtschaftlichen Schieflage ausgesetzt werden.


Contingent Convertible Bonds sind ein sehr komplexes Produkt und bringen kaum kalkulierbare Risiken mit sich, weshalb die Finanzaufsicht BaFin Privatanleger*innen vor ihnen warnt.


Hybridanleihen (nachrangige Anleihen) sind Fremdkapital mit eigenkapitalähnlichen Eigenschaften, was dem Emittenten beispielsweise bilanzielle Vorteile bringen kann. Die Inhaber*innen von Hybridanleihen werden im Insolvenzfall nach den Inhaber*innen von regulären Anleihen und anderen Fremdkapitalgeber*innen, aber vor den Aktionär*innen bedient. Eventuell können auch Zinszahlungen ausgesetzt werden, wenn das Unternehmen sich in wirtschaftlicher Schieflage befindet. Hybridanleihen gehen mit einem höheren Risiko als reguläre Anleihen einher und werden dafür besser verzinst.


Zerobonds (Null-Kupon-Anleihen) werden nicht laufend verzinst. Sie werden häufig unter dem Nennwert ausgegeben, sodass der Inhaber*innen bei der Rückzahlung des Nennwertes eine Rendite erzielen. Diese Form der Anleihe bietet zusätzliche Planbarkeit, wenn der Anleger*innen sie bis zu Ende halten möchten. Bei einem vorzeitigen Verkauf können sie mit Verlusten einhergehen. Die endfällige Rendite bringt den Vorteil, dass Inhaber*innen sich regelmäßig nicht um die Wiederanlage der Zinsen kümmern müssen. Sie kommt fällt jedoch „gebündelt“ in einem Jahr an und kann somit schneller den Steuerfreibetrag überschreiten als jährliche Zinszahlungen.


Floating Rate Notes (Floater) haben einen variablen Zinssatz, der zu festgelegten Zeitpunkten an einen festgelegten Referenzindex angepasst wird (beispielsweise EURIBOR oder LIBOR). Eine Bindung an den Verbraucherpreisindex kann inflationsbedingten Kaufkraftverlusten entgegenwirken. Mit einer Bindung an einen Leitzinssatz können Anleger*innen auf ein steigendes Zinsniveau spekulieren. Bewegt dieses sich unerwartet nach unten, sinkt auch die Verzinsung der Anleihe.


Was ist das maximale Risiko für Anleger*innen?

Es besteht das Risiko, dass der Emittent seinen Verpflichtungen gegenüber den Anleiheninhaber*innen nicht mehr oder nicht fristgerecht nachkommt.


Muss der Emittent einer Anleihe Insolvenz anmelden, werden Anleihen in der Regel nach Bankdarlehen, aber vor sonstigen Verbindlichkeiten und Nachrangdarlehen bedient. Ist nicht genügend Insolvenzmasse vorhanden, können Anleger*innen Verluste bis hin zum Totalausfall erleiden. Eine Einlagensicherung für Anleihen gibt es nicht.


Die wichtigsten Fakten auf einen Blick

Mindest­anlage­summe Die Mindeststückelungen sind von Anleihe zu Anleihe unterschiedlich. Staatsanleihen haben häufig die kleinsten Stückelungen und können teilweise schon für einen Cent erworben werden.

Zinsen

Die erreichbaren Anleihenzinsen hängen v.a. von der Laufzeit und dem Ausfallrisiko des Emittenten ab.

Ge­bühren Anleihen an sich haben keine Laufenden kosten, doch fallen eventuell Handelskosten und Kosten für das Wertpapierportfolio an.

Lauf­zeiten Unternehmensanleihen: I.d.R. 3 - 7 Jahre
Staatanleihen: I.d.R. 6 Monate - 30 Jahre

Sicher­heiten Es gibt keine Einlagensicherung für Anleihen. Anleihen können z.B. mit Grundschulden oder „Negativklauseln“ (Vereinbarungen darüber, dass weitere Verbindlichkeiten nur unter bestimmten Bedingungen aufgenommen werden dürfen) besichert werden.


Wie können Anleger*innen zwischen verfügbaren Anleihen vergleichen?

Online-Portale bieten die Möglichkeit, verschiedene Kennzahlen zu Anleihen abzurufen:



Eine Möglichkeit, mehr über das Risiko einer Anleihe zu erfahren, sind „Ratings“.


Ratingagenturen bewerten die Ausfallwahrscheinlichkeit einer Anleihe auf Basis von statistischen Modellen. Die Agenturen verwenden leicht unterschiedliche Skalen, die jedoch meist von AAA (höchste Bonität) bis D (Zahlungsausfall bereits eingetreten) reichen.


Ratings spielen für institutionelle Investoren eine große Rolle, weil diese häufig nur in Anleihen mit bestimmten Ratingklassen investieren dürfen. Meist sind die Ergebnisse auch für Privatinvestor*innen zugänglich.


Beim Vergleich gilt: Auch erstklassige Ratings bedeuten keine komplette Ausfallsicherheit. Ratings sollen keine „absoluten“ Wahrscheinlichkeiten prognostizieren, sondern lediglich das Ausfallrisiko eines Angebots im Vergleich zu anderen Angeboten der gleichen Gattung abbilden.


Des Weiteren besteht ein bestimmtes Maß an Prognoseunsicherheit und es können Interessenkonflikte bei der Bewertung auftreten, da meist der Emittent der Anleihe das Rating bezahlt.


Zusammenfassung: Das Chancen-Risiko-Profil


Chancen

  • Börsennotierte Anleihen sind börsentäglich veräußerbar
  • Anders als Dividenden sind Anleihezinsen nicht vom wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens abhängig
  • Anleiheninhaber*innen werden in der Regel vor Aktionär*innen bedient, wenn ein Unternehmen in Konkurs geht


Risken

  • Anleihenzinsen schlagen teilweise die Inflation nicht. Investor*innen erleiden mit niedrig verzinsten Anleihen effektiv Kaufkraftverluste
  • Bei Fremdwährungsanleihen besteht ein Wechselkursrisiko. Verliert die Währung der Anleihe gegenüber der eigenen Währung an Wert, machen Anleger*innen dadurch Verluste
  • Bei Insolvenz des Emittenten besteht das Risiko eines teilweisen oder kompletten Verlustes des eingesetzten Vermögens


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